Metadata: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sonderbildungen des deutschen Wesens in Flandern und Holland. 299 
langsam schlichen sich slawische Stämme in ihren Nachlaß ein, 
um im Laufe des 6. bis 8. Jahrhunderts über die Elbe hinaus 
bis zur Saale, und jenseits des Gebirgs bis zum mittleren 
Main zu gelangen. 
Gleichzeitig aber hatten die Germanen im Westen den ver⸗ 
nachlässigten Grenzhaag des Römerreiches durchbrochen; Bur⸗ 
gunder waren nach Savoien und dem Rhonethal gewandert, 
Alemannen hatten das Elsaß eingenommen und im Norden der 
Vogesen die Gegenden bis Metz und Luxemburg, und am 
Niederrhein waren Franken vorgebrochen in die Eifel und den 
Ardennerwald, in das Gebiet der Schelde und Lys, der Somme 
und Seine, ja der Loire. Hier lag jetzt das Centrum der 
deutschen Bewegung. Von den Städten des südlichen Belgiens 
und nördlichen Frankreichs her gründete Chlodowech das Uni— 
versalreich der Franken; bis zum Gestade des Ärmelkanals hatte 
die Völkerflut die Germanen getragen, in einer Hochwelle gleich— 
sam war sie daran gebrandet. 
Die große Oscillation nach Westen war vollendet; mit den 
späteren Merowingen, mit Karl dem Großen vor allem beginnt 
die entgegengesetzte Bewegung nach Osten. Der Brennpunkt des 
fränkischen Reiches, in Neustrien anfangs, später in Austrasien, 
fällt unter Karl dem Großen schon wieder in die Gegenden 
zwischen Maas und Rhein; in der Eifel liegt das Familien⸗ 
kloster der Karlingen, in Achen residierte der Kaiser. Dem ent—⸗ 
sprach es, wenn den Marken des Universalreiches nach Osten 
zu alle deutschen Stämme einverleibt wurden, wenn als Grenze 
die Elbe im Norden, im Süden aber eine Linie erreicht ward, 
die schon slawische Völker einschloß und somit als Aufforderung 
zur Verbreitung deutschen Einflusses nach dem slawischen Osten 
wirken konnte. 
Der Zerfall des Karlingenreichs brachte dann an sich schon 
eine Verschiebung der Höhepunkte deutschen Wesens nach Osten 
mit sich — sogar bis zu dem Grade, daß der äußerste Westen, 
das flandrische Gestade des Ärmelkanals, schon jetzt vom ost— 
fränkisch-deutschen Reiche ausgeschlossen ward und, dem west— 
fränkischen Reiche angegliedert, seinen nationalen Sympathieen
	        
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