Full text: Die Schweiz

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Ostalpenbahn (Seite 102) sucht Graubünden seine mittel 
alterliche Stellung als bevorzugtes Durchgangsland zwi 
schen Nord- und Südeuropa zurückzugewinnen. 
Bo» Graubünden hat eine sprachlich und konfessionell ge 
mischte Bevölkerung von 117100 Seelen, die sich natur 
gemäß sehr ungleich über die gesamte Fläche verteilt. 
Stark bevölkert sind die Talsohlen, die vielfach, wie im 
Engadin, nur einen langen und schmalen Streifen be 
wohnten Bodens tragen. Die ansehnlichste Volksdichte 
findet sich im untern Rheintal bis über Chur hinauf, 
im Prätigau, in den Kurlandschaften des Engadin und 
des Davos und an den Ausgängen der Südtäler. Die 
rätoromanische Sprache wird heute noch von 31 °/o der 
Gesamtbevölkerung gesprochen (gegenüber 40°/o im 
Jahre 1880). Ihr Gebiet umfaßt mehr als die Hälfte 
des Kantons; es gehören dazu das Vorderrheingebiet 
bis nach Ems, ausgenommen das Saften- und Valser- 
tal, das Domleschg ohne die Gegend von Thusts, Schams, 
Oberhalbstein, der größere Teil des Albulatales, das 
Engadin ohne Samnaun, und das Münstertal. Zwischen 
den beiden Hauptgruppen des Oberländer Romanisch (im 
Rheintal) und der Engadiner Mundart, des Ladinischen, 
bildet der Dialekt des Oberhalbsteins einen Übergang. 
Die deutsche und romanische Sprache wechseln stellenweise 
von Ort zu Ort. Gegenüber der von Norden her vor 
dringenden deutschen Sprache hat das Romanische be 
trächtlich an Gebiet eingebüßt, gehörte ihm doch einst 
auch das Prätigau. Italienisch sind die Talschaften des 
Misox, Bergell und Puschlav. Katholiken und Prote 
stanten verteilen sich auf alle drei Sprachgebiete. 
Lage der Dörfer Es ist eine in allen Alpentälern bekannte, auch in 
Graubünden häufige Erscheinung, daß die Ortschaften 
abseits vom gefahrdrohenden Talfluß auf Schultkegeln 
oder auf sonnigen Terrassen stehen. Die Bauart der 
Häuser ist nach den Talschaften recht verschieden; im all 
gemeinen bevorzugt der Romane auch für einfache Ge 
bäude den massiven, halb städtisch anmutenden Steinbau.
	        
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