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I. Buch. Production und Consumtion.
ständen die intensive Wirtschaft eines Landes nicht mehr lohnen lassen und sogar das
Eingehen ganzer Erwerbszweige zur Folge haben, wie sie auch andererseits, namentlich
auf einer solchen Stufe der Productionsentwicklung, wo das Gesetz der abnehmenden
Einträglichkeit sich noch nicht geltend macht, wo also im Gegentheil die durch einen
bestimmten Kostenaufwand zu erhoffenden Gewinne den Ertrag unverhältnihmäsiig
steigern, ein Ansporn zu erhöhter Jntensivität des Betriebes sein können. Die Aus
dehnung der Production in andern Ländern und das Erscheinen der Erzeugnisse von
Gegenden, ja ganzen Welttheilen, die früher für gewisse Märkte nicht in Betracht
kamen, hat die mächtigsten Einwirkungen auf die Productionsverhältnisse gewisser Ge
biete zur Folge. Es ist eine bekannte Thatsache, daß heutzutage die Grundrente
(s. HI. Buch, 1. Kap.) infolge der überseeischen Concurrenz vielfach bedeutend gesunken
ist, daß sie sich namentlich in England, welches der heimischen Landwirtschaft im Inter
esse seiner Industrie keinen Zollschutz gewährt, so sehr vermindert hat, daß manche
Landgüter keinen Pächter mehr finden, und daß sich die nämliche Erscheinung auch in
gewissen Gegenden Frankreichs, z. B. in dem fruchtbaren Departement Oise, mindestens
so lange wiederholte, bis vor wenigen Jahren ein mäßiger Schutzzoll wieder eingeführt
wurde. So ist es durch das Zuströmen der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, und ins
besondere derjenigen des Ackerbaus, dahin gekommen, daß die nutzbaren Eigenschaften
des Erdbodens auf gewissen Besitzungen nicht mehr ausgebeutet wurden, oder daß man
wenigstens einige Ländereien nicht mehr der Bearbeitung werth fand, indem man z. B. I
Weizenland als Weide verwerthete, da die Zucht und Mast von Vieh zu Luxusbedürf- I
nisten noch einträglich blieb, nicht aber der Weizenbau. Wenn man sich die gewaltigen
Schwankungen der Warenpreise vergegenwärtigt, welche sich seit etwa einem halben
Jahrhundert vollzogen haben, vermag man es sich recht wohl zu erklären, wie Grund
stücke in Anbau genommen und dann wieder verlassen werden können, und wie ein
Hin- und Herschwanken zwischen intensiver und extensiver Cultur und ihren verschiedenen
Graden stattfinden kann. Es sind da die verschiedensten Combinationen möglich. Auf
eine Steigerung der Intensität kann eine Verminderung derselben wie auch ein gänz
licher Verzicht auf den Anbau des betreffenden Grundstückes erfolgen. Man denke sich
z. B. den folgenden Fall. Ein intensiv bewirtschafteter Grundbesitz, der hauptsächlich
Weizen producirt, befindet sich in der Nachbarschaft einer Bevölkerungsansammlung,
die lohnende Hausindustrie, z. B. Seidenweberei, betreibt, wie das z. B. im Departe- j
ment Isère, nahe bei Lyon, der Fall ist. Ein Theil seiner Produkte wird von dieser
Bevölkerung absorbirt, ein anderer hilft den Markt von Lyon versorgen. Da tritt I
mit einemmal eine neue wirtschaftliche Conjunctur in Wirksamkeit. Ein vermehrtes
und verbilligtes Angebot von russischem oder indischem Weizen, der über Marseille
nach Lyon gelangt, macht den Absatz des in der Nähe erzeugten Weizens dorthin
nicht mehr lohnend, wohl aber bleibt ihm der Kundenkreis der Seidenweber der Um
gegend, die nicht unmittelbar au der Eisenbahn wohnen und deshalb das russische
amerika sowie im östlichen Europa als eine .schlechte' bezeichneten, während doch diese
Besitzungen ebenso den Umständen entsprechend bewirtschaftet waren wie die in der
Umgegend von Paris, in der Grafschaft Norfolk oder an den Rheinufern, nur daß
die Umstände im einen Fall die extensive, im andern die intensive Cultur erforderten.
Auf andern Productionsgebieten hat der gleiche Irrthum ebenfalls zu Mißgriffen ge- j
führt. So ist es vorgekommen, daß zwei Eisenbahnen gebaut wurden, wo nur für
eine der genügende Verkehr vorhanden war, und daß eine prunkende Markthalle ent
stand. wo einige Holzschuppen genügt hätten.