II
Wo im Sommer oberhalb der Weiden und kahlen
Felshalden der Schnee infolge der geringen Wärme
nicht mehr vollständig abschmilzt, da liegt die Schnee
grenze. Am Säntis steht sie bei 2500 m; alpen-
einwärts steigt sie unter dem Einfluß der Massen-
erhcbung an: Gotthard 2800 m, Bernina 3100 m
und Monte Rosa nahezu 3300 m.
Nur aus der Ferne gesehen scheint die Schneegrenze als
ungefähr horizontale Linie dem Gebirge entlang zn verlaufen.
In der Nähe betrachtet löst sich der untere Rand der Schnee
felder in größere und kleinere Schneeflecken auf; in schattigen
Mulden und Gräben gehen sie weiter talwärts als an sonnigen
Stellen. Die Schneegrenze wird so zum breiten Streifen, in dem
Schneeflächen und schneefreier Boden ineinandergreifen. Am
sonnigen Südhang schmilzt der Schnee weiter hinaus weg, als
auf der Nordseite der Berggruppe; die oben angeführten Höhen
zahlen geben den Durchschnitt an.
Der Schnee der höheren Lagen zergeht nur zu
einein Teil unter der Wirkung der Wärme. An steilen
Stellen, besonders häufig in Gehängefurchen, rutscht er
in gewaltigen Massen ab; es sind die Lawinen. Bei
kaltem Wetter fährt der pulverige Schnee, durch Wind
stöße in Bewegung gesetzt, zur Tiefe. Der Luftdruck
vermag weit über die Lawiuenbahn hinaus den Wald
und die Häuser niederzuwerfen. Die Luft ist dann mit
feinem Schneestaub erfüllt; daher die Bezeichnung
Staublawine. Bei Tauwetter, vorab im Frühling,
gerät der schwere, klebrige Schnee größerer Gehänge-
flächen ins Gleiten, reißt den Boden auf und stürzt
krachend ins Tal hinunter, alles begrabend, was im
Wege liegt; das ist die Grundlawine. Die Lawinen
treten fast immer wieder au denselben Stellen, den
deutlich in die Halden eingegrabenen Lawinenzügen auf.
Durch das Aufforsten und Verbauen des Abrißgebietes
gelingt es, den Schnee am Rutschen zu verhindern.
Mauern und Flechttverk halten den Schnee fest (Siehe
Schnee
grenze.
Lawinen.
Lawinen
verbauung.