Object: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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zuvor bekundete. In die zwei Jahre, welche St. Simon seitdem 
noch fortlebte, fällt sein „Neues Christenthum”, — eine Schrift, 
die als Schlüssel zu allen früheren Verirrungen dienen kann 
und in der sich die Haltungslosigkeit und nebelhafte Ver 
schwommenheit seiner Welt-und Lebensauifassung einen letzten, 
schwächlichsten, aber darum auch unverkennbarsten Ausdruck 
gegeben hat. 
6. Schon in den „Briefen eines Einwohners von Genf” 
(1802), mit denen St. Simon seine neuen Bestrebungen begann, 
zeigt sich jene TJeberspanntheit, die den universellen Affect, 
dessen bekannteste Formen man gewöhnlich als religiöse Auf 
fassung bezeichnet, in die Wissenschaft hineintrug und in dieser 
Metamorphose zu einem bizarren Cultus werden liess. Die vor 
geschlagene Subscription am Grabe Newtons musste für Jeden, 
der sich auf geistige Physionomik auch nur ein wenig verstand, 
ein sicheres Zeichen sein, dass der Verfasser jener Schrift höchst 
wahrscheinlich einem religionsartigen Affect immer mehr an 
heimfallen und in demselben schliesslich vollständig untertauchen 
und endigen w^erde. Zunächst war es noch ein phantasiemässig 
verfälschtes Bild strenger Wissenschaft, durch welches der 
autoritätsbedürftige, einigermaassen weibliche Geist zu Verherr 
lichungen getrieben wurde, die vom Standpunkt allgemeiner 
rationaler Wissenschaft ihre grossen Bedenken hatten. Später 
zeigte es sich deutlich genug, dass die Imagination und jener 
philanthropische Affect, der sich in der ganzen Geschichte als 
eine abgelenkte, so zu sagen üborströmende und auf einen 
unbestimmten Gegenstand gerichtete, in ihrer Wurzel aber auf 
der Naturgrundlage ruhende Liebe kennzeichnet, — es zeigte 
sich, dass dieser vielen Menschen so unbegreifliche und räthsel- 
hafte Trieb mit der ihm zugehörigen üeberspannung der Phan 
tasie den gesammten Ideenkreis St. Simons beherrschte. Er 
innert man sich stets dieses tiefsten Grundes aller seiner ideellen 
Vorstellungen, so wird man zum Verständniss seiner mannich- 
faltigen Schriften keines weiteren Leitfadens bedürfen. Man 
wird einsehen, dass auch die Richtung auf das Sociale und 
Oekonomische nur eine Folge jenes Standpunkts gewesen ist. 
Eine neue Wissenschaft, die von der Natur ausginge und das 
sociale Dasein zum Ziele hätte, sollte die Philanthropie zu einer 
herrschenden Thatsache und das moralische Gebot des Wohl 
wollens zu einer das Reich der Wirklichkeit durchdringenden
	        
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