Full text : Die Schweiz

im  Stadtbild  von  Neuenburg  die  rotgelke  Farbe  des
Bausteines  von  Hauterive  ausfällig  hervor.  Der  Kalk
muß  ebenfalls  als  Schottermaterial  dienen,  während  im
Mittelland  zu  diesem  Zweck  die  Kieslager  herangezogen
werden;  daher  im  Sommer  die  ungleich  lästigere  Staubplage ­
  auf  den  Straßen  der  Juratäler.  Wo  der  Bauer
des  Mittellandes  die  Hofstatt  mit  einem  Lattenzaun
umgibt,  der  Hirte  auf  den  Nagelfluhhöhen  am  Alpenfuß ­
  den  Weidebezirk  durch  ein  Flechtwerk  aus  Holz  abgrenzt, ­
  da  fügt  der  Jurassier  die  Kalkbrocken  zur  lockern
Mauer,  die  weithin  sichtbar  seine  Viehweiden  umschließt.
Im  Städtebau  des  Mittellandes  herrscht  das  eintönige
Grau  des  Sandsteins;  am  Fuße  der  Alpen  hat  auch
die  Nagelfluh  für  Gebäude  und  Straßenmauern  Verwendung ­
  gefunden.  Den  Tessinern  stellt  die  Gneislandschaft ­
  des  Livinentales,  des  Verzasca-  und  Maggiatales
  einen  beneidenswerten  Reichtum  des  besten  Bausteines ­
  zur  Verfügung.  Die  massiv  gebauten  Häuser
tragen  häufig  ein  Dach  aus  dünnen  Gneisplatten;  ein
Doppelzaun  aus  Platten  begleitet  die  Gotthardstraße
und  -bahn  durch  das  Livineutal  hinab;  Gneissänlen
sind  die  Träger  der  Weinlauben  von  Giornico,  in  den
Wiesen  von  Biasca  und  in  den  talwärts  folgenden
Dörfern.  Die  Häuser  von  Aigle  im  Rhonetal  bestehen
aus  dem  dunklen  Marmor  der  benachbarten  Brüche  von
St.  Tripholl.  Die  grauen  Schieferdächer  so  vieler
Häuser  im  Glarnerland  weisen  auf  die  Schieferbergwerke ­
  im  Sernftal  hin.  Immer  häufiger  jedoch  drängt
sich  der  Kunststein  neben  dem  natürlichen  Baustein  hervor.
Die  Verkehrserleichteruug  der  Neuzeit  bringt  fremdes
Materials  zu  den  heimischen  Bauten.  So  geht  allmählich ­
  die  Übereinstimmung  der  Bauwerke  mit  der  Gcsteiusart
  des  Felsuntergrundes  verloren.
            
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