Full text : Weltporto-Reform

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Kapitel  VI.
Die  Transitgebühren  im  Weltpostverkehr.
In  der  amtlichen  Denkschrift  zum  letzten  Weltpostvertrage,
die,  vom  4.  Mai  1907  datiert,  seinerzeit  dem  Deutschen  Reichstage ­
  zuging  (Drucksache  Nr.  404,  Anhang,  S.  3),  hiess  es  in  dom
Bericht  über  den  Weltpostkongress  in  Rom  (1906)  : x )
„Die  Ermässigung  des  Briefportos  —  die  zweite  Hauptfrage, ­
  die  den  Kongress  beschäftigte  —  war  vom  Publikum  seit
')  Der  Berner  Postkongress  von  1874  hatte  sich  ebenso,  wie  die
Stephansohe  Denkschrift  von  1868,  grundsätzlich  für  Unentgeltlichkeit ­
  des  Brieftransits  durch  fremde  Länder  ausgesprochen,  im
Gegensatz  zu  der  bisherigen  Praxis,  die  sich  den  Transit  oft  hoch  bezahlen
liess,  so  dass  bis  zu  35  Pranken  für  jedes  Kilogramm  Briefe  erhoben
wurden.  Aber  einstweilen  war  die  Unentgeltlichkeit  in  Bern  nicht  zu
erreichen,  und  man  beschloss  1874  wenigstens  einheitliche  feste  Sätze  für
die  Länder  des  neuen  Weltpostvereins.  Der  Landtransit  stellte  sich  danach
für  jedes  Kilogramm  Briefe  oder  Postkarten  auf  2  Pranken,  für
Drucksachen  u.  a.  Dinge  auf  25  Centimes;  hei  mehr  als  750  km  Landtransit ­
  war  es  das  Doppelte:  4  Pranken  oder  50  Centimes.
Im  Durchschnitt  rechnete  mau  erfahrungsgemäss  auf  1  Kilogramm
100  Briefe,  also  10  g  für  jeden  Brief;  nach  der  neuen  Briefgewichtserhühung
  von  1907  von  15  auf  20  g  scheint  der  Durchschnitt  in  einigen
Ländern  etwas  höher  zu  liegen,  etwa  IS'/sg  (z.  B.  im  deutsch-amerikanischen
V  erkehr).
Der  Pariser  Welt  postkongress  von  1878  beschloß  einheitlich  nur
noch  den  Satz  von  2  Pranken  für  Briefe  und  Karten  und  25  Centimes
für  andere  Gegenstände,  ohne  die  Verdoppelung  bei  mehr  als  750  km
Beförderungsstrecke.  Die  von  Deutschland  angeregte  und  auch  von  Russland, ­
  Portugal  und  Rumänien  unterstützte  völlige  Unentgeltlichkeit  stiess
nach  wie  vor,  besonders  bei  Belgien,  auf  Widerstand.
Um  die  beförderten  Transitmengen  und  danach  die  Entschädigungen
festzustellen,  wurden  die  Briefschaften  alle  3  Jahre  28  Tage  lang  gewogen
oder  gezählt,  was  den  Verkehr  sehr  störte  und  viel  Mühe  machte.  In
            
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