Full text: Weltporto-Reform

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Aber diese Regel der gegenseitigen Ausgleichung 
spielt ja auch sonst im Weltpostverein zwischen Absende- und 
Bestimmungsland eine grosse Rolle. Wenn Deutschland Briefe 
nach den Vereinigten Staaten entsendet, so behält Deutschland 
das volle Porto; die Vereinigten Staaten aber übernehmen die 
deutschen Briefe, befördern sie durch ihr ganzes Gebiet unent 
geltlich und tragen sie noch dem Empfänger ins Haus. Deutsch 
land tut aber der Union mit ihren Briefen den gleichen Dienst. 
Und da man nach einer alten Regel annimmt, dass auf jeden 
Brief eine Antwort kommt, und die Briefzahl in beiden Richtungen 
im Grossen und Ganzen ziemlich gleich sei, so verzichtet man 
auf die früher übliche halbscheidliche Portoteilung und auf 
gegenseitige Barvergütungen. Ja, man ist weitherzig genug, 
Deutschland hat in derselben Zeit nur etwa 200 Mill. Franken 
ausgegeben, doch nur für reine Postsubventiouen (vgl. „Archiv für 
Post und Telegraphie“ 1906, im Aufsatz von Ehrhard, S. 650; S. 637 findet 
inan die Subventionssummeu der verschiedenen Länder für 1905, die von 
den oben mitgeteilten übrigens noch stark abweichen, ebenso wie die in 
der Berner Poststatistik für 1906). 
England gab nach dem Bericht des Generalpostmeisters für 1906/07 
(vgl. S. 379 des „Archiv für Post und Telegraphie“ 1908) für überseeische 
Postbeförderung sowohl au festen Subventionen wie an Vergütungen nach 
Gewicht insgesamt 662 318 £ (13 500 000 M) aus, wovon allein 402162 £ 
(8204 OOOM) auf den Postverkehr nach Asien und Australien fielen. 
Die Berner Poststatistik für 1906 (S. 32—35) teilt uns nun mit, wie 
gross dieser Verkehr (aus England nach Asien und Australien) war; nämlich 
rund 16 Millionen frankierte Briefe, von denen etwa 13*/a Millionen unter 
dem Pennyportotarif nach englischen Kolonien gingen; ferner etwa 
l*/i Million Postkarten zu 1 Penny; gegen 15 Millionen Drucksachen, 
knapp 40 000 Geschäftspapiere und gegen 700 000 Warenproben; unter allen 
diesen 430 000 Einschreibesendungen. Ferner 420 000 Postpakete, gegen 
70 000 Wertpakete und 80 000 Postanweisungen. Wenn man diese Sendungen 
ungefähr nach den bestehenden Portosätzen abschätzt, so werden kaum 4 Mill. 
Mark oder 200 000 £ an Portoeinnahmen herauskommen, und für Transit- 
eiunahmen (von fremder Korrespondenz) wohl nur ein kleiner Teil jener Summe. 
Zweifellos sind hier die Vergütungs- oder Betriebskosten auch höher 
als die Posteinnahmen aus dem Porto. Und doch wird das billige Kolonial- 
penuyporto aufrechterhalten. Es hat eben ähnliche Zwecke, wie die Post- 
dampfer-Subventionen überhaupt. Die internationalen Transitvergütungen 
nach Kilogrammen sind nur eine andere Form der Subventionen, sind eine 
Bezahlung der allgemeinen Betriebskosten des Weltpostverkehrs, des Vor 
bereiters des Welthandels, nach Gewicht oder nach Stücken.
	        
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