105
halben Jahrhundert schrieb, belief sich der Reinertrag der
preussischen Post (1857) erst auf 5 985 969 M (oder 1 995 323
Taler = 1G % der Einnahmen); die deutsche Reichspost aber
(die 1870 von der Post übernommen wurde) sind es 21 730 272 £ Einnahmen
und 4 419 200 £ Überschuss (20%). Pie oben genannte, etwas abweichende
Verhältsniszahl (27 %) habe ich nach der Berner Statistik (1906) berechnet,
während diese hier nach den Angaben im „Archiv für Post und Tele
graphie“ (1908, S. 384) herauskommen, die dein englischen Betriebsbericht
entlehnt sind.
Wenn man bedenkt, dass vor 1840 in England die Brieftaxe von 4
bis zu 17 Pence stieg, bei zwei Briefbogen aber schon doppelt zählte und
nun plötzlich auf 1 Penny herabging, so ist der Rückgang des Überschusses
nicht befremdend. Aber wegen der abnormen Überschusshöhe von 70 %
der Einnahmen war dieser Rückgang ein wahrer Segen und eine gewisse
Erlösung aus dem verkehrsfeindlichen fiskalischen Joch, zwar keine volle
Erlösung, aber doch eine grosse Besserung. Durch ein Porto von 2 d oder
eins von 2—3 Stufen hätte man gewiss mehr erzielt; aber es war gut so,
dass man Halbheiten vermied und damals gleich reinen Tisch machte.
Wenn man die alten englischen Betriebsberichte durchgeht, findet man
auch, warum die Ausgaben in der Folge bedeutend stiegen, und dass das
Peunyporto an Pensionen, Gehaltserhöhungen, Einrichtung von neuen posta
lischen Dienstzweigen und Postanstalten wenig schuld war. Es war
mir Bedürfnis, hier einer veralteten, hergebrachten Auffassung in manchen
Fachkreisen entgegenzutreten. Es ist daher nicht angebracht, diese alten
Verhältnisse von damals noch heute gegen internationale - Portoermässigungen
ins Feld zu führen, zumal da ein solcher Sprung wie von 4—17 Pence auf
1 Penny gar nicht in Betracht kommt, sondern nur von 2*/a auf 1 Penny,
und da es sich beim Welt-Pennyporto auch nicht um den gesamten grossen
inländischen Briefverkehr, sondern nur um den damit verglichen sehr ge
ringen Auslandsverkehr oder gar nur um einen Teil davon handelt, nämlich
sofern Postvereine mit anderen Ländern nicht schon bestehen. Die grosse Re
form des gesamten Inlandsbriefverkehrs von 1840 mit ihren Folgen und die
Portoherabsetzung für den neben dem ganzen Inlandsverkehr geradezu
winzigen Verkehr nach dem Auslande sind gar nicht miteinander zu ver
gleichen, wenn auch heute die Briefe nach auswärts, z. B. bei England, in
der absoluten Zahl die absolute Menge aller Briefe von 1840 übertreffen. Aus
England gingen 1906 nämlich 109,76 Millionen Briefe ins Ausland, wovon
allerdings 56,89 Millionen nach den Kolonien und der Union gingen, also nach
jetzigen Postvereinsländern, so dass bloss 52,87 Millionen nach dem postalischen
Ausland befördert wurden, die bei einer Portoherabsetzung von 2V2 au f 1 d ein
Risiko von 320 000 £ darstellen. Bei einem Gesamtüberschuss von 5 071 255 £
sind das 6,3% dieses Überschusses und bei Berücksichtigung einer Verkehrs
steigerung um 33 % vielleicht 4 %. 1840 aber betrug der Verlust des bis
herigen Überschusses von, 1 633 764 £ (1839) rund 70 % oder 1 132 975 £,