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Der Zeitpunkt einer Weltportoreform ist darum
längst gekommen. Aber nicht bloss das, auch die Postfinanzen
der meisten wichtigeren Länder sind ihm
äusserst günstig ungeachtet des zeitweiligen Ueberschussrückgangs
von 1906 auf 1907. Die unten folgende Zahlenzusammenstellung
wird das im einzelnen näher erhärten und
zeigen, wie riesenhohe Ueberschüsse in sehr zahlreichen
Ländern vorhanden sind, sowohl absolut wie relativ; wüe hoch
sich die Welthandelsumsätze und die damit verknüpften Zolleinnahmen,
an deren Eingang die Post doch mittelbar mitwirkt,
sich belaufen, ferner, wie dicht die Länder mit Postanstalten
versehen sind, wieviel Postsendungen auf jeden Einwohner
kommen und wie stark das Postpersonal ist. Bei der
Beurteilung der hohen Postüberschüsse wird man freilich verschiedene
Dinge mit zu berücksichtigen haben. Oft sind sie
das Zeichen einer heillos fiskalischen Wirtschaft, viel zu hoher
hemmender Tarife und sehr geringer Ausdehnung der Postanlagen
im Lande und der verschiedenen Postzweige. In
einzelnen Ländern spielt das Fehlen eines weniger rentablen
Matrikularbeiträge für das Reich wären die Einnahmen der Einzelstaaten
oft auch grösser; aber diese Beiträge sind nun einmal da.
Selbst wenn man die 34 Millionen der Eisenbahnrechnung von dem
Postüberschuss von 74 Millionen im Jahre 1906 (im Etat für 1909 sind es
99,3 Millionen Mark) abzieht, bleiben immer noch 40 Millionen übrig;
auch beim Abzug von den 59 Millionen des sogen. Reinüberschusses wären
es immer noch 25 Millionen Mark. Von einem Postdefizit war bisher also
gar nicht die Rede. Nun wuchsen aber die Ausgaben plötzlich: 1907 für die
Beamten 18512428M und 1908 etwa 25 Millionen M zu einmaligen Beihilfen und
seit 1909 jährlich 55 Millionen mehr für Gehaltsaufbesserungen, so dass der veranschlagte
Uebersohuss (99,3 Mill.) zunächst auf 44,3 Millionen und bei einem
Yerkehrsrückgang noch tiefer sinken würde. Doch sicherlich nur zeitweilig
Aber auch vom Gesichtspunkt einer Verzinsung des Anlagekapitals
stand die deutsche Reichspost glänzend da. Nach dem gedruckten
Kommissionsbericht für den Reichstag (Nr. 388 der Reiohstagsdrucksachen
der II. Session 1905/06) sagte der Staatssekretär des Eeichspostamts Krätke
(S. 28), „selbst bei Einrechnnng von Amortisationen rrsw.“ verzinse
sich die Reichspost (einschliesslich der Telegraphie und der Telephonie)
noch mit 7%. Das ist ein äusserst hoher Zinssatz hei einer gemeinnützigen
Anstalt wie der Post, und eine höhere Rente wäre geradezu
bedenklich. Dieses Ergebnis wird erzielt, trotzdem die Telegraphie wie
in den meisten Ländern einen Zuschuss (17 Millionen oder mehr) erfordert,