Full text: Weltporto-Reform

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und kritisch zu verfolgen. Aber nicht weniger nützlich ist es, 
den Einfluss von Tarifherabsetzungen eingehend zu 
studieren. Die Finanzen einer Nation und viele ihrer anderen 
Lebensfragen werden dadurch ja berührt. Leider muss man 
aber feststellen, dass dieser besondere Zweig der Tarif- 
und Yerkehrswissenschaft noch ganz im Argen liegt 
und darum um so leichter gesetzgeberische Missgriffe 
begangen werden. Gibt es denn etwa ein gründlich 
belehrendes Werk, das die wichtigeren Tarifreformen 
im Verkehrs-, Zoll- und Steuerwesen nach Ursache 
und Wirkungen in genauer statistischer Darstellung 
auch nur für die letzten 50—60 Jahre wissenschaftlich 
verarbeitet hätte, so dass man sich daraus bei neuen Reformen 
Rat holen könnte? So, wie es mir vorschwebt, meines Wissens 
noch nicht. Ein solches Werk würde sicherlich eine grosse 
Lücke ausfüllen und für Regierungen und Volksver 
tretungen gleich wichtig sein. Es könnte unter Umständen 
dem Verlust von vielen, vielen Millionen Vorbeugen, könnte 
Rückschritte und Schädigungen der Verkehrsinteressen verhüten 
helfen und Fortschritte, die zugleich der Staatskasse nützen, 
fördern. Dem ahnungslosen Dilettantismus, der sich in diesen 
schwierigen und nur scheinbar leichten Fragen so gern betätigt, 
würde zugleich ein wirksamer Riegel vorgeschoben. Gewiss, es 
Diese Tatsachen lehren jedenfalls, dass man sich 1906 auch hierin 
arg getäuscht hat, und eine schwere Belästigung, Hemmung und Bevor 
mundung von Verkehr und Industrie um lumpiger l 4 / 5 Millionen willen 
eingeführt hat. Auch diese Steuer ist damit gerichtet und ver 
dient schleunigst abgeschafft oder auf eine ganz geringe 
statistische Zählgebühr ermässigt zu werden, da eine fortlaufende 
Statistik des Kraftwagenbestandes von vielfachem Nutzen ist. Das kann 
man auch von den Fahrrädern sagen. Eine Fahrradsteuer dagegen wäre 
ein Unglück und zugleich eine Steuer auf die Volksgesundheit, der dieser 
Sport dient. 
Am 1. Januar 1908 gab es im Deutschen Eeich bloss 36 022 Kraft- 
fahrzeirge (England zählte ihrer 154 391), darunter 34 244 vorwiegend 
für den Personenverkehr, und zwar 19 573 Krafträder, die übrigen aber 
Kraftwagen. Von den Personenautomobilen dienten 5,1 °/ 0 dem öffent 
lichen Fuhrverkehr und 41 % den Zwecken von Handel und Gewerbe, 
40,2 % für Vergnügungs- und Sportzweoke. (Vgl, Statist. Jahrb. f. d. 
Deutsche Reich 1908, S. 92, und Deutsche Verkehrszeitung 1908, S. 529 f.)
	        
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