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2. Nun die „erhebliche Steigerung der Ausgaben“! Dürfte
sie wirklich so erheblich sein?
a) In Frankreich wurde nach der Inlandsportoermässigung vom
16. April 1906 allerdings das Personal (bis Ende 1906) um ‘2652 Köpfe unter
einem Aufwande von 2,96 Millionen Mark vermehrt und mit den vergrösserten
Diensträumen u. dergl. wurden 3,52 Mül. M mehr ausgegeben — vgl. Deutsche
Verkehrs-Ztg. 1907, Nr. 28, S. 368 — während die Briefzahl bis zum 31. Dez. 1906
um 113,2 Millionen oder 17% stieg. Aber ist denn so genau ermittelt,
dass diese Mehrausgaben nur der Brief Steigerung zur Last zu
legen sind? Wuchsen nicht ganz von selbst im inneren Verkehr auch die
Drucksachen in Frankreich, z. B. von 1903 auf 1904 um 146 Millionen
Stück, von 1904 bis Ende 1906 aber um 223 Millionen Stück? Die Briefe
stiegen von 1903 auf 1904 um 17 Millionen, die Warenproben 1904 bis 1906
um 10 Millionen, die internationalen Briefpostsendungen von 1904 bis 1906
um 30 Millionen? Kann man da auch nur die Hälfte jener Mehrausgaben
allein der Briefportoermässigung zuschreiben? Werden in Deutschland
nicht alle Jahr regelmässig 2—3000 Köpfe mehr eingestellt?
Auch ohne Tarifermässigungen!
Wenn das Weltpennyporto auch bei einer späteren grossen Verkehrssteigerung
mit Mehreinnahmen keinen vermehrten Beingewinn ergäbe,
wäre denn der Reingewinn für die Nation, für Verkehr mid Handel,
der aus der Verkehrseiieichterung flösse, für nichts zu achten?
Man wendet gern ein; Verkehrszunahme, allerdings, aber wegen der
Mehrausgaben kein vermehrter Gewinn! Doch in Wirklichkeit ist dieser
allgemeine Satz nicht ganz haltbar. Verfolgen wir die deutsche Post
seit 40 Jahren, so sehen wir, dass fortgesetzt immer weitere
Tariferleichterungen stattfanden, der absolute Reinüberschuss
aber trotzdem immer mehr wuchs und so hoch gestiegen ist, wie
er nie zuvor war. Die angeblich entsprechend wachsenden Mehrausgaben
werden dadurch jedenfalls nicht bestätigt. 1877 belief sich der Überschuss
der Reichspost auf 10 Millionen (nach Abzug der einmaligen Ausgaben
8,5 Mill. M), f887 waren es 30,5 Mül. (26,3), 1897 schon 42,2 (33,8), 1907 aber
73,08 (37,22, trotz der einmaligen Beihilfe an Unterbeamte von 18,5 Mill. M).
Für 1909 sah der Etat 99,3 (82,4) Mill. M als Überschuss vor, ohne die Gehaltserhöhungen
vom Juli 1909. Man kann sagen, dass verständige Tariferleichterungen
meist einige Zeit nachher noch grössere Überschüsse zur Folge haben.
Die regelmässige Vermehrung des Personals und die Personalmehrausgaben
scheinen nicht immer von Verkehrssteigerangen oder Verkehrsminderangen
infolge von Tarifermässigungen oder Erhöhungen unmittelbar und merklich
beeinflusst zu sein. Diesen Eindruck hat man namentlich bei den deutschen
Taxermässigungen von 1900 und den Taxerhöhungen von 1906. 4 )
4 ) Am 1. April 11)00 wurden bekanntlich wohlfeile Ortstarife für offene Sendungen
(Postkarten 2 Pfg., Drucksachen 2 Pfg. und mehr) eingeführt, die aus fiskalischen Gründen
auf Anregung einer späteren Boichstagsmehrhoit am 1. Juli 1906 wieder aufgehoben
wurden.
Der Ortsverkehr entwickelte sich folgendermassen (innerhalb des Peichspostgebiets):
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