Full text : Weltporto-Reform

Feinheit  in  der  jetzigen  Währung  (Gold)  hat  daher  gegenwärtig
mit  dem  metrischen  System  nichts  mehr  gemein.  Es  ist  ein  unbehaltbarer
  Bruch  von  5  Dezimalstellen.  Das  runde  Gewicht  von
5  g  bei  dem  entwerteten  und  schwankenden  Silberfranken  oder
25  g  beim  5-Erankenstück  kann  unter  der  Goldwährung  nicht
mehr  in  Betracht  kommen.  So  steht  also  der  Franken,  obwohl
er  in  13  Ländern  als  Münzsystem  angenommen  ist  und  in  den
5  Staaten  der  Münz-Union  die  Gold-  und  grossem  Silberstücke
gemeinsam  kursieren,  doch  in  Widerspruch  zum  Metersystem
und  Gramm-Gewicht,  das  in  25  Staaten  bereits  eine  Heimstätte
gefunden  hat  und  zweifellos  wegen  seiner  bequemen  dezimalen
Einteilung  die  ganze  Welt  erobern  muss.  Zur  allgemeinen
AVeltmünze  kann  sich  der  Franken  nicht  mehr  eignen.
Das  früher  ungeeinte  Deutsche  Reich  hatte  ehemals  in
seinen  einzelnen  Staaten  auch  sehr  verschiedene  Münzen  und
ging  dann  1873  mit  der  Goldwährung  zum  Mark-System
über.  Leider  hat  man  damit  auch  nicht  dem  metrischen  Mass-System
  Rechnung  getragen,  das  1868  schon  in  Rorddeutschland
und  etwas  später  im  ganzen  Reich  eingeführt  wurde.
Als  Silbergeld  ist  eine  Mark  freilich  gerade  5  g  feines

Silber  und  den  Wert  von  0,81  M  (=  1  Franken).  Die  solonisohe  Drachme
hatte  4,3  g  =  86  Pf.,  die  ältere  äginetische  Drachme,  von  der  die  erstere
3 / 4  ausmachte,  6,2  g  (1,24  M).
Wegen  der  vielen  Münzversohleohterungen  schuf  Konstantin  später
eine  ganz  neue  Münze,  den  Solidus,  auch  4,55  g  schwer,  in  Gold  12,69  M
wert,  l'/a  Solidi  —  19  M.  Daneben  eine  Silbermünze  im  Werte  von
Viooo  Pfund  Gold,  1  Miliarense  (davon  der  portugiesische  Name  „Milreis“).
Karl  der  Grosse  prägte  an  Stelle  des  goldenen  den  silbernen
Solidus,  20  Stück  aus  einem  Pfund  von  370  g.  1  Solidus  Silber  also
3,70  M  (18,5  g).  1  Solidus  zerfiel  ln  12  Deniers  (Denare),  1  Pfund  hatte
also  240  Deniers.  Der  Denier  war  die  Rechnungseinheit;  die  Münze  war
der  Ecu  zu  6  Livres  (1  Ecu  =  29,488  g  Eauhgewicht  und  27,031  g  Feingewicht, ­
  bei  11 /i2  Feinheit;  1  Livre  =  Va  Ecu  =  4-,60529  g  Feingewicht).
1  Livre  war  also  ebensoviel  wie  ein  Franken  (4,5  g  Feingewicht
Silber  und  5  g  Rauhgewicht).  So  schloss  sich  die  Frankenmünze  von  1803
an  die  alten  Verhältnisse  an:  das  Feingewicht  blieb  dasselbe,  nur  das  Rauhgewicht
  wurde  nach  dem  metrischen  System  auf  5  g  aufgerundet  (bei  9 / 10
Feinheit).
1  kg  Silber  ergab  200  Fr.,  1  kg  Gold  entsprechend  dem  Verhältnis
von  1  :  lö'/a  aber  3100  Fr.  (Vgl.  „Mass-,  Münz-  und  Gewichtswesen“  von
Prof.  Aug.  Blind,  Leipzig  1906,  Göschen,  S.  117—120).
            
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