Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 271
ländischen Kirche nach Osten geworden waren. Sein Ideal war
ein mitteleuropäisch-slawisches Großreich, wie es Swatopluk
von Mähren vor ihm, Bretislaw und Ottokar von Böhmen
nach ihm von anderer Grundlage aus geplant haben. Er er—
oberte nach Westen und Süden hin Schlesien, Chrobatien und
Mähren; nach Nordosten zu mußte ihm daran liegen, die Elb—
slawen von sich abhängig zu machen. Die Handhabe hierzu
boten die verwirrten Zeiten nach dem Tode Ottos III. und
die Verwaisung der Mark Meißen nach der Ermordung des
Markgrafen Eckart: Boleslaw eroberte die Mark; die Stadt
Meißen fiel durch Verrat in seine Hand. Auch Böhmens be—
mächtigte er sich schnell: nach Westen hin schien das groß—
polnische Reich begründet. Es waren Forftschritte, so rasch,
daß Boleslaw sich aller Rücksichten auf den deutschen Herrscher,
seinen Lehnsherrn, entledigt glaubte: er wandte sich an den
Papst und bat um die königliche Krone.
Heinrich II. hatte sich schon einmal gütlich mit Boleslaw
auseinanderzusetzen gesucht: es war eine schüchterne Politik,
die ihm die anfängliche Schwäche seines Königtums vorschrieb.
Auch jetzt noch suchte er einzulenken; er bot Boleslaw die
deutsche Belehnung mit Böhmen. Boleslaw wies sie zurück;
er begann die aufständischen Bewegungen in Deutschland selbst
zu unterstützen. Heinrich antwortete mit dem Entschluß zum
Kriege. Er verband sich sogar mit den Ljutizen.
Wechselvoll, im wesentlichen Polen günstig, hat dieser Krieg
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wüstungen der Lande an Elbe und Oder, durch Waffenruhe und
Friedensverhandlungen unterbrochen zumeist nur dann, wenn
Boleslaw seine siegreichen Waffen nach Osten, gegen die Russen,
zu tragen für dringlich fand. Das Ende war der Friede von
Bautzen vom 30. Januar 1018. Er brachte Boleslaw allem
Anschein nach die Freiheit seines Reiches von deutscher Be—
lehnung und den freien Besitz der Lausitzen, bisher eines Teils
des Reiches. Seitdem lebte Boleslaw mehr noch wie bisher
seinen Entwürfen gegen Rußland; er schlug den Großfürsten
Jaroslaw, der seinen Schwiegersohn Swatopluk vertrieben