Full text : Weltporto-Reform

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Marokko  (50  000  Einw.).  In  allen  diesen  11  Städten  sind  deutsche  Postanstalten,' ­
 9 )  deren  erste  1899  in  Tanger  errichtet  wurde.  Ihr  Gesamtverkehr ­
  machte  1906  rund  1  402  000  Briefsendungen  aus.  Ein  handeltreibendes ­
  Elernen*-  in  Marokko  sind  besonders  auch  die  150  000  Juden,  die
eigene  Viertel  in  den  Städten  haben.
Doch  schon  früher  als  deutsche  Postanstalten  gab  es  in  Marokko
französische,  spanische  und  englische  Postämter,  die  sämtlich
eigene  Boteneinrichtungeil  und  Postkurse  haben.  Die  englischen  Postämter
werden  von  Gibraltar  unterhalten.  Diese  fremden  Postaustalten,  insgesamt ­
  44,  gelten  als  dem  Weltpostverein  angeschlossen.  Marokko  selbst
gehört  ihm  ja  noch  nicht  au,  ebenso  wie  China.  Die  deutschen  und  französischen ­
  Posten  benutzten  oft  gegenseitig  ihre  Boten,  nämlich  an  den
Tagen,  wo  eigene  Boten  nicht  gehen  oder  kommen.
Ehedem  wurden  im  Verkehr  der  fremden  Postämter  mit  ihrem  Mutterlande ­
  oder  dem  Auslande  natürlich  die  Portosätze  des  Weltpostvereins  angeweudet.
  Doch  seit  längerer  Zeit  schon  gelten  für  Briefsendungen
zwischen  Spanien  und  den  spanischen  Postanstalten  in  Marokko
sowie  für  Briefe  zwischen  Gibraltar  und  den  britischen  Postanstalten
Marokkos  ermässigte  Portotaxen.  Am  1.  Oktober  1907  folgte  auch
Frankreich  diesem  Beispiel  und  wendet  seitdem  für  Briefsendungen  im
Verkehr  von  Frankreich,  Algier,  Tripolis  und  Tunis  mit  den  französischen
Postämtern  in  Marokko  den  inneren  französischen  Tarif  au.  Bald  darauf,
am  15.  November  1907,  hat  auch  Deutschland  im  Verkehr  mit  den
deutschen  Postanstalten  Marokkos  im  wesentlichen  die  internen  deutschen
Taxen  eingeführt; 20 )  diese  gelten  aber  auch  im  Verkehr  der  deutschen
Kolonien  mit  Marokko  und  seit  dem  1.  Juli  1908  auch  zwischen  den
deutschen  Postämtern  in  Marokko  und  in  China. *  20  21 )
Für  die  weiteren  französischen  und  englischen  Kolonien  scheint  noch
der  Weltposttarif  nach  und  von  Marokko  zu  gelten.
Betrachtet  man  diese  postalischen  Beziehungen  des
Sultanats  näher,  so  ergibt  sieb,  dass  Marokko,  obwohl  dem
Weltpostverein  noch  gar  nicht  angehörend,  tatsächlich  doch
in  einem  bevorzugten  Postvereinsverhältnis  mit  Gibraltar,  mit
Spanien,  mit  Frankreich  nebst  den  nordafrikanischen  französischen ­
  Schutzgebieten  und  endlich  auch  mit  Deutschland
nebst  allen  seinen  Kolonien,  aber  —  vermittelst  der  14  ostasiatischen

10)  Vgl.  die  Deutsche  Reichspoststatistik  für  1906,  S.  7  u.  68.  lieber
die  Entwicklung  der  deutschen  Postanstalten  in  Marokko  vgl.  „Deutsche
Verkehrs-Zeitung“  1899,  S.  610—612;  1900,  S.  401;  1901,  S.  389—390;  1903,
S.  266.  Ferner  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1903,  S.  80—83  (mit
Kartenskizze).
20 )  Näheres  hierüber  in  der  „Deutschen  Verkehrs-Zeitung“  1907,  Nr.  40,
S.  554  und  im  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1907,  Nr.  24,  S.  750.
21 )  Vgl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1908,  Nr.  13,  S.  389.
            
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