Full text : Weltporto-Reform

XY

Warburton  und  Wallace  auch  dahin  zu  wirken,  dass  Hill  mit  der
Ueberwachung  der  Ausführung  seines  Planes  betraut  würde.
Im  Juli  kam  die  Peuny-Porto-Bill  dann  wirklich  vor  das  Unterhaus,
das  sie  mit  grosser  Mehrheit  annahm;  Anfang  August  vor  das  Oberhaus,
und  am  17.  August  1839  wurde  sie  von  der  Regierung  genehmigt.  Hills
■versöhnliches  taktvolles  Wesen  soll  viel  zu  diesem  beispiellosen  Erfolge
beigetragen  haben.  Der  Premierminister  hatte  ihn  inzwischen  einmal  um
seinen  Besuch  gebeten,  und  auf  seinen  Wunsch  war  er  auch  während  der
Debatte  im  Oberhause  anwesend  gewesen.
Seine  Preunde  unter  den  Abgeordneten  aber  meinten  nun:  wenn  die
Regierung  seinen  Plan  angenommen  habe,  so  müsse  sie  ihn  selbst  jetzt
auch  annehmen,  damit  er  bei  der  Durchführung  der  Reform  mitwirken
könne.  Auch  der  neue  Lord  Schatzkanzler  Francis  Baring  hielt  das
für  wünschenswert  und  bat  ihn  deshalb  zu  sich.  Die  Regierung  wollte
ihn  zu  diesem  Zwecke  für  zwei  Jahre  in  Dienst  nehmen,  bot  ihm  aber
kein  höheres  Gehalt  als  das  in  seiner  Stellung  als  Sekretär  der  australischen
Kolonisationsgesellschaft  (500  £).
Hill  nahm  dieses  Anerbieten,  das  ihm  fast  als  Kränkung  erschien,
mit  recht  gemischten  Gefühlen  auf  und  erbot  sich,  da  sein  Vermögen  dazu
gerade  reichte,  die  zwei  Jahre  unentgeltlich  zu  dienen  oder  die  Gehaltsfrage ­
  bis  zur  Beendigung’  des  Experiments  zu  vertagen.  Sein  Bruder
billigte  seine  Auffassung  und  betonte,  dass  er  nicht  in  einer  niedrigeren.
Stellung  als  der  „Seoretary“  (Unterstaatssekretär)  des  General-Postamts
eintreten  könnte,  zumal  da  er  bei  der  vorhandenen  grossen.  Gegnerschaft
gegen  seine  Ideen  unter  den  Beamten  auch  der  Machtbefugnisse  bedürfe.
Ebenso  erfordere  auch  sein  Ansehen  schon  ein  höheres  Gehalt,  denn  die
Engländer  seien  weder  ein  aristokratisches,  noch  ein  demokratisches,
sondern  ein  chrysokratisch.es  Volk.
Am  14.  September  1839  bot  ihm  Baring,  der  diese  Aeusserungen  zur
Kenntnis  erhielt,  dann  endlich  einen  Posten  f im  Schatzamt  für  2  Jahre
mit  1500  £  (etwa  30  000  M)  Gehalt  an,  der  ihm  ohne  unmittelbaren  Einfluss ­
  doch  beständigen  Zugang  zur  Post  gewährte  sowie  möglichste
moralische  Unterstützung  gemessen  sollte.  Das  englische  Post  Office  ist
zwar  ein  selbständiges  Ministerium,  doch  in  finanzieller  Beziehung  dem
Schatzamt  verantwortlich.
Hill  sprach  es  dem  Schatzkanzler  gegenüber  offen  aus,  dass  er  für
später  auf  eine  feste  Stellung  als  Unterstaatssekretär  der  Post  (Secretary)
hoffe,  und  wurde  von  Baring  am  16.  September  1839  in  sein  neues  Amt
eingeführt,  jetzt  zum  ersten  Male  im  Leben  die  inneren  Räume  eines  Postamts ­
  betretend.
Nach  kurzen  Uebergangsbestimmungen  —  einem  Tarif  von  4  d,  in
London  1  d,  vom  5.  Dezember  1839  bis  zum  9.  Januar  1840  —  wmrde  dann
endlich  am  10.  Januar  1840  das  Pennyporto  für  Briefe  im  ganzen
Yereinigten  Königreich,  durohgeführt.
Erst  am  1.  Mai  1840  begann  aber  der  Verkauf  von  Stempelwertzeiohen
  (Stempelkuverts  und  Briefmarken).
            
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