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liegen einem Zuschlag in der Höhe des Inlandsportos, das ja aher sehr
niedrig ist.
Für Sendungen aus China nach dem Auslande gelten be
reits die Normalsätze des Weltportos. Das chinesische Eelchs-
post-Briefporto nach Ländern des Weltpostvereins beträgt
10 Cents (20 Pf.) für 4 / 2 Unze (14.17 g\ nach Japan jedoch nur
3 Cents (6 Pf.). 34 )
Nun bestehen aber in China seit längerer Zeit — in Shanghai 35 ) be
reits seit 1864 — Postämter fremder Länder, besonders zahlreich in
den Vertragshäfen. Ihre Beseitigung wurde schon Ende -der achtziger
Jahre vom Seezolldirektor Hart beantragt, aber nicht erreicht; sie haben
sich vielmehr seit 1897 noch weiter entwickelt, sogar bis ins Binnenland,
und vermitteln auch den Verkehr mit dem Anslande. Diese fremden Post
anstalten sind meist auch dem Weltpostverein angeschlossen.
Sie hatten natürlich für den internationalen Verkehr dementsprechend die
Weltportosätze eingeführt. Diese galten vorher auch im Verkehr mit
dem Mutterlande.
In der letzten Zeit sind nun aber für diese Beziehungen der fremden
Postämter mit dem Ursprungslande die Kolonialreichstarife, im wesent
lichen also die Inlandsportosätze des Mutterlandes eingeführt
worden. Die Postanstalten dieser Beiche in China werden demnach ge-
wissermassen auch als Kolonien angesehen und postalisch so wie diese
behandelt.
Die Kolonien mit dem Mutterlande bilden aber Postvereine, d. h. ein
einheitliches Verkehrsgebiet mit einheitlichem Porto für dessen ganzen Be
reich, Daher kann man ebensogut sagen, auch China ist zu jenen
fremden Ländern in ein Postvereinsverhältnis eingetreten; es
bildet Postvereine mit ihnen und lässt im Wechsel verkehr einen gegenüber 84
84 ) Vgl. „Deutsche Verkehrs-Zeitung“ 1906, S. 373. — Aus der „Deut
schen Verkehrs-Zeitung“ 1908, S. 353, geht dagegen hervor, dass dieses er-
mässigte Porto doch wohl nur im Verkehr der japanischen Postanstalten in
China mit Japan gilt.
35 ) In Shanghai hat Deutschland ein rei chseigenes Postgebäude,
das am 15. Mai 1905 fertiggestellt wurde. Es liegt ganz nahe dem chi
nesischen und in der Mitte zwischen dem französischen und
britischen Postamt, zwei Minuten von den Dampferanlegeplätzen am
Wangpoofluss, in der Hauptgeschäftsgegeud, an der Ecke der Futschau-
und Szechuan-lload. Hier ist zugleich der Sitz der Kaiserlich Deutschen
Postdirektion, der alle deutschen Postämter in China und Kiautschou unter
stehen. Am 16. August 1886 war in Shanghai übrigens die erste deutsche
Postanstalt entstanden, mit der Ankunft des ersten Beichspostdampfers
(vgl. „Deutsche Verkehrs-Zeitung“ 1905 Nr. 31, S. 361). Auch ein ameri
kanisches, japanisches und russisches Postamt gibt es hier (vgl.
„Deutsche Verkehrs-Zeitung“ 1904, S. 515).