Full text : Weltporto-Reform

XVIII

zeugten  ihre  Dankbarkeit  durch  einen  Weinkühler  in  getriebenem  Silber
(im  Juli  1841);  1000  Liverpooler  stifteten  einen  schönen  silbernen  Untersetzer ­
  (April  1841);  der  Kaufmännische  Verein  überwies  ihm  1845  und  1846
das  erwähnte  Ehrengeschenk  von  13  000  £,  um  seine  Unabhängigkeit  zu
sichern,  und  das  zu  einer  Zeit,  wo  er  noch  arbeitsfähig  und  noch  nicht
vom  Alter  verbraucht  war.  Anssergewöhnlioh  war  es  auch,  dass  ihm,  dem
Tarifreformer  und  Laien,  eine  Eisenbahngesellschaft  gleich  einen  Direktionsposten ­
  gab,  denn  einer  seiner  Kollegen  erklärte  ihm  später,  man  hätte  wohl
befürchtet,  dass  er  auch  hier  vielleicht  irgend  einen  bedenklichen  einheitlichen ­
  Pennyfahrpreis  vorschlagen  könnte.
1857  wurde  Hill  zum  Mitglied  der  Royal  Society  of  Arts  erwählt,
deren  goldene  Albert-Medaille  er  später  erhielt,  und  Anfang  1860  zum  Ritter
(Knight  Commander)  des  Bath-Ordens  ernannt,  womit  der  Adel  verknüpft
war.  Um  1864  sammelte  man  in  Birmingham  zu  einem  Denkmal  für  ihn,
und  in  seinem  Geburtsort  Kidderminster  folgte  man  diesem  Beispiele.  Am
9.  Juni  1864  verlieh  ihm  die  Universität  Oxford  den  Titel  eines  Dr.  jur.
(D.  C.  L.)  honoris  causa,  und  im  selben  Monat  bedachte  ihn  das  Parlament
mit  der  erwähnten  Dotation  von  20  000  £.
Die  Londoner  City  verlieh  ihm  im  Juni  1879  in  einer  feierlichen  Deputation ­
  die  so  seltene  Auszeichnung  des  Ehrenbürgerreohts,  dessen  Urkunde
in  einem  goldenen  Kästchen  überreicht  wurde.
Als  er  bald  darauf  starb,  da  wurden  seine  irdischen  Überreste  in  der
Westminsterabtei,  der  Ruhmeshalle  Grossbritanniens,  beigesetzt.  Eine
Marmorbüste  in  einer  der  Seitenkapellen,  neben  der  Statue  James  Watts,
erinnert  dort  an  Rowland  Hill,  den  Urheber  des  Pennyportos.  Auch  vorder ­
  Londoner  Börse  steht  auf  hohem  Sockel  ein  grosses  ehernes  Standbild
von  ihm.
Trotz  aller  grossen  und  schnellen  Erfolge,  die  er,  der  unbekannte
ehemalige  Schullehrer  und  Dillettant,  mit  seinen  Reformplänen  erzielte,
würde  man  aber  doch  irren,  wenn  man  annähme,  dass  alles  so  leicht  und
glatt  ging-,  wie  es  bei  einer  gedrängten  Darstellung  seines  Lebenslaufs  den
Anschein  hat.  Hill  gewann  wohl  schnell  die  Unterstützung  der  liberalen
und  reformfreundlichen  Abgeordneten,  der  Presse,  der  grossen  Mehrheit  des
englischen  Volkes  und  namentlich  des  Handelsstandes;  aber  die  Postverwaltung, ­
  besonders  die  Beamten  des  Generalpostamts,  blieben  seine
hartnäckigen  Gegner.  Br  fand  diesen  Widerstand  der  Fachmänner,  wie  er
später  erzählte,  ganz  natürlich,  da  seine  weitgehenden  Neuerungen  einen
Umsturz  der  altgewohnten  bestehenden  Ordnung  bedeuteten.  Es  fallen
einem  da  die  Worte  des  Macohiavelli  ein:  „Alle  die,  welche  sich  in  der
alten  Ordnung  der  Dinge  wohl  befanden,  sind  der  neuen  feindlich;  und
diese  hat  nur  laue  Verteidiger  an  denen,  welche  dabei  zu  gewinnen  hoffen:
teils  wegen  der  Furcht  vor  den  Gegnern,  teils  weil  die  Menschen  von  Natur
misstrauisch  sind  und  an  eine  neue  Sache  nicht  glauben,  bis  sie  sie  wirklich
klar  vor  sich  sehen.“
Am  15.  Juni  1837  sprach  der  Generalpostmeister,  der  Earl  of
Lichfield,  bei  einer  Postdebatte  sehr  wenig  schmeichelhaft  von  den
            
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