Full text: Weltporto-Reform

um erst ein halbes Jahrhundert danach wieder zum Einheitstarif 
(5 Kr.) zu führen (1861). 
Was später (1850) erst der deutsch-österreichische Post 
verein für die näheren internationalen Beziehungen wieder er 
reichte, war also viel früher schon einmal vorhanden gewesen, 
und was dann in grösserem Rahmen endlich der Weltpostverein 
brachte, in gewissem Sinne sogar bereits übertroffen. Stephans 
Ideal von 1885 war demnach im 18. J ahrhundert schon 
einmal verwirklicht: derselbe Einheitssatz für das In- 
und Ausland war in Österreich in Kraft. Heute mühen 
wir uns nun damit ab, diesen alten Zustand erst wieder an 
zustreben, jetzt allerdings für den ganzen Erdball, entsprechend 
den ungeheuer erweiterten Yerkehrsbeziehungen unserer Zeit. 
Die hier angeführten alten Tatsachen, die selbst belesenen 
Fachleuten meist unbekannt sind, können jedenfalls nur geeignet 
sein, unsern Eifer neu anzuspornen, um das neue, alte Ziel 
wieder zu erreichen. 
Das Porto des Weltpostvereins ist ja bedeutend teurer, 
als das Inlandsporto der meisten Länder. Es hat bekanntlich 
folgende Normalsätze: für einfache Briefe 25 Centimes (20,25 Pf.); 
für Postkarten 10 Centimes (8,10 Pf.) und für Drucksachen 
usw. 5 Centimes (4,05 Pf.) für je 50 Gramm. In Deutschland 
werden die beiden letzten Taxen ohnehin auf 10 und 5 Pf. 
aufgerundet, also um 23,4 v. H. erhöht. 
Inländische Briefe kosten bei uns 10 Pf., Postkarten 
5 Pf.; in den Ländern mit der Frankenmünze sind es meist 
nur 10 und 5 Cts., in England 1 Penny (8,5 Pf.) und ! /a Penny 
(4,25 Pf.), in Amerika 2 Cents (8,4 Pf.) und 1 Cent (4,2 Pf.), 
in den skandinavischen Staaten 10 Oere (11,25 Pf.) und 5 Oere 
(5,62 Pf.) usw. 
Das jetzige Weltporto bedeutet also meist einen 
Zuschlag von 100 bis 150 v. H. zum inländischen Brief 
porto. Dass ein so stark erhöhter Satz hemmend und verkehrs 
einschränkend wirkt, ist gar nicht zu bezweifeln, da ein Auf 
schlag von 15 Centimes oder 10 Pfg. auch absolut genommen 
für den Durchschnittsbriefschreiber schon eine ansehnliche Porto 
summe darstellt. In Deutschland wurde am 1. Juli 1906 die Ge 
bühr für aussergewöhnliche Zeitungsbeilagen im Post
	        
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