Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Gelatine 
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Gelbholz 
Gelatine (lat. Gelatiaa, frz. Gelatine, engl. 
Glue). Diesen Namen führt der reinste, farblose 
und durchsichtige Leim, der mit besonderer Sorg 
falt aus Kälberknochen, bisweilen auch, wenn 
schon in geringerer Güte, aus Hautabfällen her 
gestellt wird. Zur Darstellung der G. kocht man 
frische, völlig gereinigte Kalbsknochen im Va 
kuum mittels Dampf aus, läßt die zuerst erhaltene 
fetthaltige Lösung ablaufen, die später entstehende, 
völlig fettfreie Flüssigkeit aber in nicht zu hoher 
Konzentration bei erhöhter Temperatur stehen, 
wobei sich alle Verunreinigungen zu Boden set 
zen. Die geklärte Lösung wird noch warm auf 
polierte Schiefer- oder Marmorplatten gegossen, 
die erstarrte Masse in die Größe der verkäuf 
lichen Täfelchen zerschnitten und auf Netzrahmen 
gelegt, an der Luft und schließ .ich in Trocken 
stuben getrocknet. Die so erhaltene, völlig ge- 
ruch- und geschmacklose G. kommt in Form 
ziemlich heller und durchsichtiger, länglicher, 
sehr dünner und biegsamer, aber doch zerbrech 
licher Blätter, die meist noch die Eindrücke 
vom Bindfadengeflccht der Trockenhorden zei 
gen, in den Handel, bisweilen aber auch in gro 
ßen Tafeln ohne derartige Eindrücke, wie sie 
zum Überdecken von Gegenständen in Schau 
fenstern dienen. — In anderer Weise wird die 
nur für technische Zwecke bestimmte G. her 
gestellt, zu der die verschiedensten Knochen, 
Drehspäne, Hufe u. dgl. Verwendung finden. 
Man legt die Rohstoffe nach dem Waschen und 
Zerkleinern so lange in verdünnte Salzsäure, 
bis älle mineralischen Bestandteile aufgelöst 
sind und der reine Knorpel übrig bleibt, hängt 
sie dann, um die noch anhaftende Säure mög 
lichst zu entfernen, in Säcken in fließendes 
Wasser, oder behandelt sie mit Kalkmilch und 
wäscht mit reinem Wasser nach. Die aus den 
Knorpeln erhaltene G. zeigt eine gelbe Farbe 
und wird daher meist mit schwefliger Säure 
gebleicht, bisweilen auch für den Gebrauch in 
der Küche mit Teerfarben oder Karminrot ge 
färbt. Die G. besteht zum Unterschiede von 
Leim (Glutin) in der Hauptsache aus Glutose und 
besitzt daher nur eine geringe Klebkraft, aber 
großes Geliervermögen, wegen dessen sie man 
nigfache Verwendung zu Ernährungs- und tech 
nischen Zwecken findet. In reinster Form ohne 
Leimgeschmack und schweflige Säure dient sie 
zur Herstellung von Gelees in Küche und Kon 
ditorei, von Kapseln für schlecht schmeckende 
Arzneien und als sog. Weinschöne (Colle ge- 
latine), die braun sein kann, zum Klären trüber 
Werne. Die Technik benutzt G. zum Über 
gießen von Bildern und zur Herstellung photo 
graphischer Papiere und Platten, die Wissen 
schaft als bakteriologische Nährböden. 
Gelbbeeren (Avignonbeeren, frz. Grains 
d’Avtgnon, Grains de Perse, engl. Yellow berries, 
Persian berries) nennt man die unreif gepflück 
ten und getrockneten Früchte mehrerer Kreuz 
dornarten, die, meist in südlichen Ländern 
heimisch, einen nutzbaren Farbstoff enthalten. 
Am geschätztesten sind die großen, grünlich 
gelben persischen G. von Rhamnus oleo- 
Sdes, doch finden sich im Handel auch kleine 
runzlige und dunkelfarbige französische G. 
(Avignonbeeren) von Rh. mfectoria, ungari 
sche G. von Rh. tinctoria und saxatilis so 
wie die geringwertige sog. deutsche Ware vom 
gemeinen Kreuzdorn, Rh. cathartica. Die G. 
enthalten das Glykosid Xanthorhamnin, das 
unter Zersetzung einen gelben Farbstoff, Rham 
netin, abspaltet, und werden daher in Form 
ihrer wäßrigen Abkochung in der Färberei und 
Druckerei verwandt. Mit Zinn- und Tonerde- I 
beizen liefern sie schöne, wenngleich nicht be- I 
sonders haltbare gelbe und grüne, mit Eisenbeize 
schwarzbraune Färbungen. Die billigeren Sor 
ten dienen mit Zusatz von Alaunlösung zur Her 
stellung von Schüttgelb. Die neuerdings ein 
geführten chinesischen G. bestehen aus den 
Blütenknospen von Sophora japonica und 
enthalten einen Farbstoff, der mit demjenigen 
der Querzitror.rinde übereinstimmt. Nach an 
deren Angaben sollen auch die krozinhaltigen 
Früchte van Gardenia grandiflora als chi 
nesische "G. bezeichnet werden. 
Gelbholz (lat. Lignum flavum, L : gnum citri- 
num, frz. Bois jaune, engl. Fustic-wood). Das 
echte" Gelbholz, gelbes Brasilienholz, auch Fu 
stik, und zwar alter Fustik, zum Unterschiede 
vom neuen Fustik oder Fisetholz (s. d.) ge 
nannt, stammt von dem westindischen und süd 
amerikanischen Färbermaulbeerbaum, Mo 
rus tinctoria, und ist eins der vielgebrauchte- | 
sten Farbhölzer. Es erscheint im Handel teils 
in ganzen scheitlangen Stammabschnitten, teils 
zu Scheiten zerspalten, oder auch im Kleinver 
kehr geraspelt. Das Stammholz ist von Rinde ! 
und Splint befreit, da diese keine färbenden 
Bestandteile enthalten, während die Holzmasse 1 
auf frischem Schnitt hell zitronengelb mit vielen 
orangegelben Adern durchzogen erscheint. Von 
den verschiedenen Sorten dieses Holzes gilt das 
schwerste und am lebhaftesten gefärbte als das 
beste, vor allem das Kubaholz, das aber nicht 
nur von Kuba, sondern auch von den übrigen 
Antillen kommt. Weniger gehaltreich sind Tus 
pan, Tampico, Carmen, Tabasco und Do 
mingo. Der Farbstoff besteht aus einem Ge 
misch von Makiurin (Moringerbsäure) mit 
Morinsäure (an Kalk gebunden), welche in 
heißem Wasser nicht löslich ist. Das FIolz läßt 
-sich daher durch Wasser nicht erschöpfen, 
sondern gibt nach völliger Extraktion mitWasser 
auf Zusatz von Kalkmilch noch eine stark 
gelb färbende Lösung. Der Farbstoff bräunt sich 
in den Brühen durch Einwirkung der Luft, so 
daß diese rasch verbraucht werden müssen. Sie 
verleihen alaungebeizten oder auch schon un 
geheizten Zeugen eine haltbare gelbe Färbung, 
die den Einwirkungen von Säuren besser als 
jedes andere Gelb widersteht, doch nicht sehr 
schön ist. Das Holz dient daher auch seltener 
für sich allein zum Gelbfärben, sondern wird 
meist in Verbindung mit anderen Stoffen zur 
Herstellung von Mischfarben, so mit Indigo zu 
Sächsischgrün, ferner zu hell und dunkler brau 
nen und olivgrünen Farbtönen und zu Schwarz 
auf Wolle, Seide, Baumwolle in der Färberei 
und Kattundruckerei benutzt. Neben dem Holze 
kommt auch Gelbholzextrakt in den Handel, 
das wie Blauholzextrakt bereitet wird, aber nicht 
so spröde und glasartig ist und eine dunkel 
schmutziggelbe Farbe hat. Für die Zwecke der 
Zeugdruckerei endlich wird aus der wäßrigen 
Abkochung des G. durch Zusatz von Alaun und
	        
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