Kämpfen ohnmächtig gegenüberstand. Zum andern Teil aber be-
ruhten die Schwankungen in der Wirtschaftspolitik zwischen
krassem Protektionismus und freier Handelsgebarung, zwischen
dem laissez faire und einem starken Monopolgeist auf der Unsicher-
heit, mit der man die wirtschaftlichen Dinge betrachtete, sobald
sie aus dem Rahmen der Privatwirtschaft hinaustraten und sich
der Volkswirtschaft einfügen sollten. Von nicht geringem Einfluß
auf die gesamte Wirtschaft des Landes, einschließlich der Industrie
und der Landwirtschaft, sind die Beziehungen zu den überseeischen
Besitzungen gewesen; aber auch hier hat es sich gerächt, daß der
holländische Markt zu einseitig auf die’ Produkte der eigenen
Kolonien eingestellt war und daß andererseits die einheimische In-
dustrie ihre Produktion allzusehr auf den Absatz in den Kolonien
berechnete.
Aus den vielen Erscheinungen, die uns das holländische
Wirtschaftsleben der 300 Jahre nach der Loslösung von Spanien
vor Augen führt, läßt sich eine stets wiederkehrende Eigenschaft
der Träger dieses Wirtschaftslebens erkennen, das war der aus-
geprägte Individualismus. So vortrefflich die Lei-
stungen waren, zu denen die Einzelpersönlichkeit sich in zahlreichen
Fällen auf allen Gebieten wirtschaftlicher Betätigung aufge-
schwungen hat, so hat doch der Individualismus in seiner Starrheit
und Unzugänglichkeit vieles Vortreffliche gehindert, ja zerstört.
Wo man sich einmal zu gemeinsamem Vorgehen zusammenschloß,
da endete es stets in Monopolen, d. h. in dem Ausschluß Anderer
von der Mitarbeit und dem Mitgenuß, was nichts anderes war als
ein potenzierter Individualismus, oder in der rücksichtslosen Aus-
nutzung einer mehr oder weniger vorübergehenden Konjunktur.
Äußerst selten erblicken wir ein Zusammenwirken im Dienste des
Ganzen; stets drängte sich der Eigennutz der Einzelnen vor, viel-
fach ohne Rücksicht auf Sitte und vaterländische Pflicht. Das
Beispiel des Staates, dessen Politik stets von der Selbstsucht vor-
geschrieben war und der dem Ziele der augenblicklichen materiellen
Wohlfahrt des Landes alle und jede Rücksichten opferte, konnte
auf den Einzelnen ja nur ermunternd einwirken. Am schärfsten
fand dies alles seinen Ausdruck im Handel, und zwar völlig unab-
hängig von der Neigung zum Freihandel oder zum Schutzsystem;
mit beiden Richtungen vertrug sich, wenn nur das Geschäft blühte,
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