Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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«inen Tag gestreikt. Der Arbeiterausschuß wurde vor 
stellig, dann wurde den Jungen 60 Ps. Lohnzulage versprochen. 
Auch die Löhne in diesen Revieren sind stark zurückgegangen, 
meist deshalb, weil, wie wiederholt bemerkt, nichts mehr zu 
geschrieben wurde. Was verdient wurde, wird gezahlt, wenn es 
noch so wenig ist. So wurden auf Freie Vogel Hauerlöhne von 
4,16 Mk. ausgezahlt, auf Zeche Admiral solche in Höhe von 
4,89 Mk., 4,87 Mk., 3,80 Mk., 3,75 Mk., 3,60 Mk., 3,40 Mk. 
und für einen Lehrhauer sogar nur 2,40 Mark pro Schicht. 
Solche Löhne sollte man Webern nicht anzubieten wagen, 
: geschweige denn den schwer schuftenden Bergleuten. Auch den 
schichtlöhuern ist der Lohn gekürzt worden, das wird uns 
namentlich von Germania II und Freie Vogel berichtet, ebenso 
von Zeche Preußen I (Harpen). Dort sind sogar 50 bis 80 Pf. 
pro Schicht gekürzt. 
Auf Zeche Wiendahlsbank hat nach den uns gemachten An 
gaben der Fahrsteiger Friemann am 12. August in der Lampen- 
i bude einen Jugendlichen sogar geohrfeigt. Kein Wunder, wenn 
| die Arbeiter immer erregter werden. 
Von Zeche Tremonia meldet man uns, daß noch Ueber- 
i schichten verfahren werden. 
Von der Zeche Mont Cenis, Revier Dortmund III, wird 
j auch über viele Strafen geklagt. 
Von Zeche Viktoria l/ll, Revier Dortmund II, wird auch 
j über Verlängerung der Schicht unter Tage um bis % Stunde 
( berichtet, was ein Verstoß gegen die Arbeitsordnung ist. 
Die Zeche H e r m a n n im R e v i e r H a m m hat dem Berg 
mann Oswald Köppel im Monat August — K. wurde am 
1. August zum Krieg eingezogen — vom Julilohn laut Lohnbuch 
gleich für vier Monate im voraus die Miete in Abzug gebracht. 
Anstatt die Familien zu unterstützen, geht man so rücksichtslos 
- gegen sie vor. Dieselbe Zeche hat dem Bergmann Reich! 30 Mk. 
für ärztliche Bemühungen vom Lohne gekürzt ohne jeden Pfän 
dungsbeschlutz. Es wird also sogar ganz ungesetzlich Verfahren. 
Aus dem Revier Hamm werden ebenfalls starke Lohn 
reduzierungen gemeldet, namentlich von Zeche de Wendel, 
wo man die Schichtlöhne um 30 Pf., die Gedingelöhne um 
10 Pf. pro Wagen gekürzt habe. 
Auf Zeche Königsborn, Schacht II, sind nach uns ge 
machten Mitteilungen die Gedingelöhne stellenweise bis zu 15 
Prozent gekürzt und Kohlenhauer mit 6 Mk. und darunter ent 
lohnt worden. 
Auch sonst sei ans einigen Zechen des Reviers Hamm an- 
i gekündigt, daß über 6 Mk. nicht mehr verdient werden dürfe.
	        
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