Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

-  'V-'ri  i-'r'’,  ■ : ~-’- c 7t-''£5''T r -''  ^ l -  “*  r-Ä?fcStS^'V^'~' : '£'•**Sf*S<

'i^u^äJ^

—  337  —
hat.  Wenn  trotzdeni  Ueberstunden  und  Ueberschichten  verlangt
und  gemacht  werden,  so  haben  wir  an  dem  körperlichen  Befinden ­
  und  an  der  Behandlung  der  jungen  Leute  schon  gezeigt,  zu
welchen  Folgen  das  führt.  Gewiß,  es  lasseir  sich  Ueberstunden
und  Ueberschlchten  nicht  ganz  vermeiden,  aber  es  mutz  alles  sein
Matz  haben.  Wie  es  damit  aber  steht,  zeigt  die  kürzlich  im
Snargebiet  erlassene  Anordnung,  daß  so-  und  soviel  Ueberschlchteu
  zu  Verfahren  sind,  keine  Woche  ohne  Ueberschicht.  Da
werden  die  Arbeiter  nicht  gefragt,  kaum,  daß  es  den  Arbeiterausschüssen
  angedeutet  wird;  es  heißt  einfach,  es  werden  dann
und  dann  Ueberschichten  verfahren!  Bergarbeiter,  die  diesem
Befehl  nicht  nachkommen,  werden  in  Strafe,  genommen.  Ob
die  Bergarbeiter  für  die  Befahrung  die  Zeit  und  die  Nahrungsmittel ­
  haben,  spielt  keine  Rolle!  Da  ist  es  kein  Wunder,  ioenir
ein  großer  Teil  der  Bergarbeiter  solche  Art  der  angeordneten
Befahrung  abgelehnt  hat.  Sie  sind  brö  zu  4  Mark  und  darüber
für  ihr  Fehlen  bei  der  Ueberschicht  bestraft  worden.  Es  ist  erklärlich, ­
  daß  die  Bergarbeiter  lebhaft  gegen  die  Bestrafungen
Protestieren  und  sich  den  Abzug  der  Strafgelder  nicht  gefallen
lassen  lvollen.  In  ihren  Reihen  ist  die  Auffassung  verbreitet,
daß  heute  noch  die  Erklärungen,  die  aus  dem  preußischen  Bergwerksministerium ­
  stammen,  gelten,  daß  Zwangsmittel,  um  Ueberschichten ­
  zu  erzwingen,  gegen  Bergarbeiter  nicht  angeordnet
werden  dürfen.
Zur  Frage  der  Ueberschichten  möchten  wir  noch  auf  folgende
Tatsachen  Hinweisen,  die  das  Verfahren  von  Ueberschichten  den
Bergleuten  im  Saarrevier  schwerer  niachen,  als  in  anderen  Bergrevieren. ­
  Tausende  Bergarbeiter  wohnen  weit  von  ihrer  Arbeitsstelle ­
  entfernt,  weit  in  die  Pfalz  hinein,  im  Hunsrück,  Bezirk ­
  Trier  u.  a.  Viele  von  ihnen  fahren  täglich  nach  Hause  und
verlieren  dadurch  täglich  viele  Stunden  wegen  Bahnfahrt  und
Weggängen  von  den  Hcimatstationen  nach  Hause  und^  zurück.
Wenn  diese  Leute  in  der  Morgenschicht  arbeiten  und  Samstag
abend  Ueberschichten  verfahren,  kommen  sie  in  mehr  als  drei
mal  acht  Stunden  überhaupt  nicht  zur  Ruhe,  lind  Sonntags
gehen  religiösgesinnte  Bergarbeiter  zur  Kirche,  und  lvenn  sie
einen  Acker  haben,  nachher  zur  Feldarbeit,  die  sie  in  den  wenigen ­
  freien  Stunden  in  der  Woche  auch  noch  betreiben.  Für
diese  Leute  sind  die  Ueberschichten  eine  Plage,  und  mehr  noch
für  diejenigen,  die  die  ganze  Arbeitswoche  in  dumpfen  Schlafhäusern
  liegen,  nicht  die  Bequemlichkeiten  eines  Familienlebens
genieße»  und  nur  des  Sonntags  nach  Hause  kommen,  um  dort
ihre  für  sie  bereitstehenden  Arbeiten  zu  erledigen.  Das  geht
jahrein,  jahraus  so.  Vielfach  macht  sich  auch  die  Bergverwaltung
nichts  daraus',  die  Verlegung  von  Bergleuten  so  vorzunehmen,
daß  diesen  nicht  wenig  Zeit  verloren  geht,  um  nach  und  von  den
Schächten  zu  kommen.  Wir  haben  Beispiele,  wo  auch  durch
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.