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Nun beschlossen die Kameraden einen Streik und fuhren am 11.
Februar nicht an. Natürlich nicht alle. Ungefähr 200 Mann sind ein
gefahren und ungefähr 800 Mann gingen nach Hause. Ich bin auch
eingefahren, denn so ein wilder Streik hat noch niemals etwas ge
holfen. Ich bin neugierig, wie sich die Sache weiter entwickeln wird.
Sehr wenig sind organisiert. Ich bitte Dich nun um Mitteilung, wie
ich mich verhalten soll. Nach diesem Vorfall kann ich aber nicht mehr
Kassierer bleiben, denn die Leute sahen mich schon schief an, weil ich
nicht gleich den ersten Tag mitgemacht habe. Aber ich kenne hier
meine Leute. Morgen kommt schon wieder die Hälfte zum Einfahren.
Wie gesagt, es sind aber nur wenige organisiert. Die Leute wollen
sich helfen, wissen aber nicht wie. Ich bitte Dich also, komme nach hier
und übertrage die Kassierergeschäfte einem andern."
Gleichzeitig führen wir noch von 13 Hanern der Castellengo-
grube die Löhne hier an.
Für 13 Hauer ergaben sich in den nachfolgenden Monaten fol
gende Löhne (in Mark):
Oktober
November
Dezember
1.
— ■
4,52
5,34
2.
4,83
4,15
4,64
8.
—
5,20
5,69
4.
4,40
4,40
' —
3.
5,53
4,72
5,19
0.
4,01
3,73
3,51
7.
3,97
2,78
4,51
8.
5,69
5,24
3,98
9.
— .
4,58
4,79
10.
4,57
3,57
—
1t.
4,65
3,64
3,70
12.
8,46
4,67
4,87
13.
3,12
5,36
4,86
Dann wird
uns noch
berichtet, daß aus
dieser Ze
September und Oktober 1914 die Schichtlöhne durchgängig nm
20—50 Pf. gekürzt worden sind. Gerade an den Tagen, >vo
Fünfviertelschichten Verfahren worden seien, wäre immer über
Wagenmangel geklagt worden.
Ter nachstehende Anszug ans Lohnbüchern beweist, wie
niedrig die Löhne auch in Oberschlesien fallen.
Eine Aufbesserung der Löhne ist in Oberschlesien tunlichst
bald am Platze. Die Kohlenpreise sind dort schon bedeutend
gestiegen.