Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

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VII.  Reichtum  und  sein  Gebrauch.

Reiche  nur  zwei  Millionäre 1 ).  In  Frankreich,  wo  das  Volk  in
besseren  Verhältnissen  als  in  Deutschland  lebt,  zählt  man  kaum'
durch  das  ganze  Land  ein  halbes  Dutzend  Millionäre.  In  der
alten  Heimat  unserer  Rasse,  in  Großbritannien,  dem  reichsten!
Lande  Europas,  ja  dem  reichsten  Lande  der  ganzen  Welt  —  wenn
wir  einmal  von  Amerika  absehen  —  gibt  es  mehr  Millionäre  als  in
dem  ganzen  übrigen  Europa  zusammengenommen,  und  das  Volk
lebt  dort  besser  als  in  irgendeinem  anderen  Lande *  2 ).  Blicken
wir  auf  unser  Amerika:  wir  haben  mehr  Millionäre  als  die  ganze
übrige  Welt  zusammengonmmen  obgleich  tatsächlich  kaum  einer
unter  zehn,  die  dafür  gelten,  wirklich  ein  Millionär  ist.  Ich  habe
eine  Liste  vermeintlicher  Millionäre  gesehen,  die  ein  Jurist  in
Brooklyn  aufgestellt  hatte;  sie  machte  mich  selbst  sowie  viele
andere  geradezu  lachen.  Ich  sah  darin  Leute  als  Millionäre  aufgeführt, ­
  die  nicht  einmal  imstande  sind,  ihre  Schulden  zu  bezahlen.
Bei  vielen  konnte  man  von  ihrer  Million  ganz  ruhig  eine  Null
fortstreichen.  Vor  einiger  Zeit  saß  ich  bei  einem  Diner  an  der
Seite  eines  Herrn,  dessen  Unterhaltung  die  Idee  anregte,  daß;
reiche  Leute  ihre  Reichtümer  während  ihres  Lebens  zu  öffentlichen ­
  Zwecken  verteilen  sollten.  Ein  anderer  Herr  hielt  die  Idee
für  durchaus  gesund  und  gab  dabei  ganz  selbstverständlich  unter
seinen  Gründen  dafür  auch  den  an:  Niemand  könne  bei  seinem
Tode  seine  Reichtümer  mit  sich  nehmen.
„Ja,“  sagte  der  erste  Herr,  ein  bekannter  Anwalt,  „ich  weiß
nichts  Näheres  darüber.  Aber  meine  Erfahrung  als  hjeuyorker
Rechtsanwalt  spricht  dafür,  daß  die  Millionäre  in  der  einen  odep
anderen  Art  zum  mindesten  volle  vier  Fünftel  ihrer  Reichtümer
mit  sich  nehmen  müssen.“  Bei  dem  Tode  der  Betreffenden  fand
sich  nämlich  nichts  von  dem  vielbesprochenen  Reichtume  vor.
Was  ideale  Verhältnisse  uns  immer  in  Zukunft  bringen  mögen:

*)  Auch  das  ist  unrichtig;  es  gibt  heute  eine  ganze  A.nzahl  von  Deutschen, ­
  welche,  selbst  nach  engl.  Pfd.  Sterl.  gerechnet,  mehrfache  Millionäre ­
  sind.  Außerdem  lebt  der  kleine  Bürgerstand  in  keinem  anderen
Lande  der  Welt  so  billig  und  angenehm,  wie  in  Deutschland.
2 )  Auch  das  ist  nicht  ganz  zutreffend.  In  keiner  anderen  Stadt
Europas,  ja  vielleicht  der  Welt,  gibt  es  ein  solches  Elend,  wie  in  London! ­
  (Siehe  Charles  Booth:  Life  and  Labors  of  the  London  People.)
            
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