Kreise eine gewisse Llusgleichung von Lchicksal und Lchuld suchen,
ihm fehlt die Macht, um das durchzuführen; in unserem mensch
lichen Zusammensein siegt nicht das Linsichgute und Llnsichwahre,
sondern es siegt das, was auf die Menschen, wie sie einmal sind,
wirkt, es siegt, was sich in greifbare Leistung umsetzt, es siegt die
Kraft, die gutes und Böses als gleichwertig behandelt, die auch
schlechteste Mittel, wie Lisi und Betrug, unbedenklich verwendet; die
Hauptsache ist auf diesem Boden sich durchzusetzen, alles Halb
wollen und alles schwanken in den Zielen auszutreiben.
So müssen wir offen bekennen, dast unsere Welt, wie die
Menschengeschichte sie bietet, kein Keich der Vernunft ist, eher kann
sie als eine Mischung von Vernunft und Unvernunft erscheinen,
als ein Kind von Vernunft und dunkler Notwendigkeit, um einen
Ausdruck plakos zu gebrauchen. Die Menschheit hat sich zu diesem
Problem in verschiedenen Zeiten verschieden verhallen. Das alte
Lhrisientum folgte dem gedanken der Ohnmacht des guten gegen
über feindlichen Mächten innerhalb unserer Erfahrung. £s fehlte
ihm alle Hoffnung, dast der Lauf der Zeiten das bessere, dast etwa
eine den Dingen innewohnende Ordnung die Weltgeschichte zu einem
Weltgericht gestalte; der Verzicht auf diese Hoffnung war aber nur
möglich bei dem felsenfesten glauben an die Wirklichkeit einer
höheren Welt. Die Neuzeit war anderer Überzeugung, ihr wurde
die Welt zu einer Selbstentwicklung der Vernunft, an diese Selbst-
entwicklung hing sie alles glauben und alle Hoffnung. Wir
Kinder der gegenwark kommen demgegenüber in eine ungeheure
Verwicklung. Wir können nicht mit den alten Christen den Lauf
der Welt gehen lassen, wie er geht, wir müssen mit allen Kräften
für eine Hebung des Weltstandes wirken. Liber zugleich haben wir
den Menschenglauben verloren, welcher frühere Zeiten, namentlich
die Liufklärung, beseelte. Wir stehen fetzt vor einem unentrinnbaren
Dilemma: entweder erstrebt die Menschheit etwas Unmögliches,
indem sie sich auf die Kraft des blosten Menschen stellt, oder wir
müssen das Walten einer überlegenen Macht, eines schaffenden
Weltwillens, anerkennen; nur von ihm getragen und gehoben,
können wir als Holdaken gottes einen Kampf gegen das Dunkle
und Böse um uns und in uns aufnehmen. Nur von einem über
legenen geistesleben aus kann sich uns der Blick auf die Wirklichkeit
aufhellen: unsere Welt mit ihren schweren Hemmungen und Ver
wicklungen kann nicht das ganze der Wirklichkeit bilden, sie must
eine besondere Lirt besitzen und eine besondere Stellung einnehmen;
sie must in einem weiteren Zusammenhange stehen, um irgend
welchen Sinn und die unentbehrliche Kraft zu erlangen. Das aber
verlangt eine Umwälzung des gewöhnlichen Weltanblickes; wir
müssen einerseits anerkennen, dast wir einer Welt des Kampfes und