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Trffln.
Lage Zwischen den beiden gewaltigen Massenerhebun
gen der Walliser und der Bündner Alpen liegt,
wie eine breite Mulde, eine Berggruppe von gerin
gerer Kamm- und Gipfelhöhe eingelagert. Die quer
zur Hauptrichtung der Alpen südwärts laufenden
Täler des Tessins und seiner Zuflüsse haben hier
eine tiefe Scharte in das Gebirge hineingerissen
und den wasserscheidenden Hauptkamm der Südalpen
in einen nordwärts ausgreifenden Bogen zurückge
drängt. Der Kanton Tessin ist das einzige größere
Gebiet der Schweiz auf der Südabdachung der Al
pen. Er erstreckt sich von den Gipfeln der Gotthard
gruppe bei über 3000 in Höhe durch die verschie
densten Klima- und Pflanzenregionen hinunter bis
zum Langensee bei rund 200 in Meereshöhe, der
tiefsten Stelle der Schweiz, und geht in einem schmä
lern Streifen südwärts über den Luganersee hin
aus zu den welligen Hügeln ain Rande der Po-
ebene. Der Anteil an so verschiedenen Höhenstufen
verleiht dem Tessin die größte Mannigfaltigkeit
des Landschaftsbildes.
4bh-n >md Die Täler des Tessins, der Verzasca und der
Maggia und ihre reich gegabelten Seitentäler senken
sich in starkem Gefälle zum Alpenfuß hinaus. Sie
sind in dem regenreichen Klima durch das reißende
Wasser zu schmalen und tiefen Furchen ausgenagt
worden. Die Bergketten erinnern mit den steilen
Wänden und scharfen Gräten trotz der verhältnis
mäßig geringen Höhe von 2000 — 3000 m ganz
an die Formen des Hochgebirges. Die heftigen
Regengüsse schwemmen den Verwitterungsschutt der
Urgesteinsmasse vorweg zur Tiefe; so erscheinen die
obern Berghalden mit ihren magern Wiesen weit
hin kahl und eintönig. Die Bäche und Flüsse schwel
len unter den Föhnregen zu gefährlichen Wild-