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Berggewohnheiten aus dem 12. und 13. Jahrhunderte, beider Trientiner
und Kuttenberger Bergordnung, in außerdeutschen Texten einzelne
deutsche Kunstausdrücke, wie Hangendes, Liegendes, Rundbaum und
andere Vorkommen. Allein es dürfte gegen die Annahme des deutschen
Ursprungs der Berggewohnheiten zu beachten sein, daß in Deutschland
vor der Römerzeit kaum ein Bergbau, geschweige denn ein Bergbaurecht
bestanden hat. Als die Deutschen mit den Römern in Berührung kamen,
befanden sie sich noch in der Periode des Stein- und Bronzezeitalters *.
Sie besaßen damals weder Gold noch Silber, ja selbst Eisen hatten sie
nur ganz selten 1 2 * . Es fehlten ihnen wie den übrigen „Barbaren“ sowohl
die geeigneten Geräte 8 , wie die allgemeine Kultur, um einen Bergbau
im technischen Sinne dieses Wortes betreiben zu können. Ihre gänzliche
Erkenntnis der bergmännischen Künste ergibt sich schon aus der
primitiven Art der Salzgewinnung, welche Tacitus, wie folgt, beschreibt:
Non ut alias apud gentes eluvie maris arescente unda, sed super ardentem
arborum struem fusa, ex contrariis inter se elementis, igne atque aqua
concretum 4 .
Dagegen waren die Römer, wie wir unter anderem aus dem drei-
und vierunddreißigsten Buche der historia naturalis des Plinius ersehen,
in der Bergbaukunst erstaunlich weit vorgeschritten 5 * * . Sie waren des
1 Friedei, Das Stein-, Bronce- und Eisenzeitalter der Mark Brandenburg,
Berlin 1878.
2 Tacitus Germania cap. 6; Ne ferrum quidem superest, sicut ex genere
telorum colligitur (Ausgabe von Schweizer-Sidler, Halle I871, S. 12).
8 Vor der Römerzeit betrieb man z. B. in England den Bergbau mit Geräten
aus Eichenholz oder Stechpalmen. (The Laws and Customs of the Stannaries in
the Counties of Cornwall and Devon by Pearce, Preface p. 2.) Dabei waren die
Kelten sowohl im Berg- wie im Hüttenwesen den Germanen weit voraus. (Gurlt,
Bergbaukunde S. 13.)
4 Annales XIII, 57. (Ausgabe Göttingen 1804, p. 358.)
5 Mispoulet p. 83 sagt dagegen: <1 L’origine romaine de tous les Statuts mi
niere de l’epoque mediavale ne saurait donc ctre contestee. Les r&glements romains
ont eu certainement, seien les temps et les lieux, un certain nombre de modifi-
cations. — II nous suffit de constater que, dans le fond comme dans la forme,
les dispositions essentielles du regiement d’Ajustrel se retrouvent dans les princi-
paux Statuts du moyen äge.» Die Gleichartigkeit des Betriebes im Mittelalter
und im Altertum bezeugt auch Hue. Mispoulet p. 82 behauptet allerdings, theo
retisch und nach der „legislation proprement dite“ seien im Römischen Reiche und
noch lange im Mittelalter die Bergwerke pars funcli gewesen, doch nach einer
„pratique administrative“ und einem „droit populaire tres vivant“ sei diese Tren
nung zwischen Grundeigentum und Bergwerk vollzogen und haben Bergbaufreiheit
und Bergregal (wie schon in den Tafeln von Aljustrel) bestanden. Allein die
Tafeln von Aljustrel stellen nicht bloß eine Verwaltungspraxis — „pratique admini-