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XIV.
Das umgekehrte Taylor-System
Auch etwas zur Auslese der Tüchtigen.
(1918.)
Das letzte Jahrzehnt vor dem Kriege machte uns in Deutschland mit den
Bemühungen der Amerikaner bekannt, die Arbeit in der Industrie und im
Bureau wissenschaftlich zu erforschen und derart auszugestalten, daß alle
Handgriffe möglichst zweckmäßig ausgeführt, die zu
jeder Arbeit geeignetsten Menschen herangezogen wür
den. Die Abwehr dieser auch bei uns theoretisch und praktisch geför
derten wissenschaftlichen Betriebslehre, die man vielfach in ihrem ganzen
Umfange als Taylorsystem zu bezeichnen pflegt, beschränkte sich nicht
nur aut die Anhänger einer Entfaltung des wahren Menschentums und die
Gegner des sogenannten „Amerikanismus'*'. Auch in der Arbeiterschaft be
merkte man starke Abneigung dagegen. Durch Anwendung des Taylorsystems
gewinnen die Arbeiter nur, sofern ihnen eine Teilnahme am Mehrgewinn zu
gesichert wird, sie müssen aber Entlassungen und Überanstrengung be
fürchten. Die Arbeitsbedingungen wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts
durch die Einführung der Maschinen wesentlich verschlechtert, weil die ent
lassenen oder eine Entlassung fürchtenden Arbeiter den Lohn drückten und
überdies Frauen, Kinder, Greise zur Arbeit herangezogen werden konnten.
Aut dem Umwege über schwerste Erschütterungen wurden die Arbeitsbedin
gungen im Laufe des 19. Jahrhunderts langsam, zum Teil unter staatlichem
Druck verbessert. Das Taylorsystem ist nun als arbeitsparendes Mittel dem
Maschinensystem innerlich verwandt. Seine allgemeine Einführung ohne
entsprechende Maßnahmen des Staates oder der Arbeiterorganisationen könnte
für die Arbeiterschaft manches Bedenkliche nach sich ziehen.
Aber viele fürchten, daß das Taylorsystem, selbst dann, wenn es zum
Vorteil der Arbeiter eingeführt wird, die allgemeine Mechanisierung
des Daseins vermehren würde. Dies ist nun keineswegs notwendigerweise
der Fall, ja, es stecken gerade im Taylorsystem Elemente, welche
es zu einer Haupttriebkraft eines neuen Humanismus
machen könnten.
Während des Krieges wandte man sich überall der bewußten Lebens
gestaltung zu und ist heute mehr als früher darauf aus, die Kräfte für
bestimmte Zwecke wirklich erfolgreich anzuwenden. Wenn wir unter der
Technik eines Zeitalters den Inbegriff seiner Erfindungen verstehen, unter
Technizität deren Anwendung, so wies der bisherige Friedenszustand bei
hoher Technik eine verhältnismäßig niedrige Technizität auf.
Der Krieg hat in mehr als einer Richtung die Organisation unserer Wirt
schaft verändert, indem nicht der Reingewinn der Unternehmer für die meisten
Maßnahmen ausschlaggebend blieb. Immer häufiger wurden durch staatliche
Verfügung die jeweils als zweckmäßig erkannten Wege eingeschlagen. Es
wurden Produktionen durchgeführt, welche an sich nicht gewinnbringend wären,
sondern es nur durch besondere Aufwendungen aus öffentlichen Mitteln wurden.
Aber es kam auch zur Anwendung des Produktionszwanges und ähnlicher
Maßnahmen. Die Erzeugung von Munition, Waffen usw. stand im Vorder
grund. Die Kriegführung wurde nach rein technischen
Gesichtspunkten durchgeführt. Auf ihrem Gebiete scheint
sich die Technizität grundsätzlich auszuleben. Wenn auch