Full text : Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

wieder Spanien. Die Einfuhr von Minette aus Frankreich ist stark
zurückgegangen.
Die vollständige Unterbindung der Minetteeinfuhr in den ersten
Nachkriegsjahren hat die deutsche Eisenindustrie gezwungen, sich auf
die Verhüttung anderer phosphorhaltiger Erze umzustellen. Dies wurde
in erster Linie durch erhöhten Verbrauch von hochphosphorhaltigen
Schwedenerzen erreicht, wodurch gleichzeitig bei dem bedeutend höheren
Eisengehalt dieser Erze, trotz eines erhöhten Kalksteinzuschlages, eine
Koksersparnis und eine bessere Ausnutzung der Ofeneinheiten erzielt
wurden. ;
Da sich nun einerseits herausgestellt hat, daß die großen Schwedenerzvorkommen
 nach der Teufe hin im Phosphorgehalt abnehmen,
andererseits ein größerer Minettebezug aus Frankreich in Anbetracht
seines gestiegenen Eigenverbrauchs kaum in Frage kommt, müßten
eigentlich künftig in etärkerem Maße andere phosphorreiche Erze für
die wachsende Thomaseisenerzeugung herangezogen werden. Da diese
aber nicht zur Verfügung stehen, wird man andere Phosphorträger hinzunehmen.
 müssen, wie sie in Frankreich, Belgien und Algier in Form
von Phosphatkalken und in Lappland als Apatiterz vorhanden sind.
Die Erze in der französischen Normandie, die erheblich besser sind
als die Minette, wurden in der Vorkriegszeit in erster Linie von deutschen.
 Firmen ausgebeutet. Die Verhüttung dieser Erze in Deutschland
dürfte erst wieder in Frage kommen, wenn sie zu Preisen erhältlich sind
wie vor dem Kriege, als die Erzvorkommen noch in deutschem Besitz
waren. Wie schon oben erwähnt, ist es der deutschen Eisenindustrie
nach dem Aufhören der Minettezufuhr! gelungen, sich auf die neuen Verhältnisse
 umzustellen, z.B. durch stärkeren Verbrauch der Schwedenerze.
 Durch den Umstand, daß die als Ersatz für die Minette in Frage
kommenden. phosphorhaltigen Erze einen wesentlich höheren Eisengehalt
besitzen, war es möglich, die in Frage kommende Thomasroheisenarzeugung
 zu erreichen.
Was den Thomasstahlprozeß betrifft, so bildet er, wenn auch seit
Kriegsende mengenmäßig die Siemens-Stahl-Gewinnung größer ist, die
Grundlage der deutschen Stahlerzeugung und wird sie auch wohl bleiben.
Er liefert ein ausgezeichnetes Material, das sich im In- und Auslande
bestens bewährt hat. Gewisse Schwankungen in dem Verhältnis der
Thomas- zur Siemens-Martin-Stahl-Erzeugung werden immer vorhanden
sein, da Schrott- und Roheisenverhältnisse hierbei einen Einfluß: ausüben,
 so daß die zukünftige Entwicklung nicht vorausgesehen werden
kann. Ein sehr wichtiger Gesichtspunkt für die Thomasstahlerzeugung
ist auch die Thomasschlacke, die beim Thomasprozeß als Nebenerzeugnis
 gewonnen wird und als Düngemittel für die Landwirtschaft unentbehrlich
 ist. Nach den durch den Versailler Vertrag verursachten Verlusten
 sind die deutschen Thomasstahlwerke zur Zeit nicht mehr in der
Lage, den Bedarf der deutschen Landwirtschaft an Thomasmehl zu
decken. Es müssen hierzu erhebliche Mengen aus dem Saargebiet, aus
Frankreich, Luxemburg, Belgien usw. eingeführt werden.
Die Manganerzeinfuhr in der Vorkriegszeit!) hat im Durchschnitt
1; Siehe S. 221.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.