thumbs: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

498 
Zweites Buch, Cap. 2. 
Ich werde mich nur mit denjenigen befassen, welche die öffent- 
liche Aufmerksamkeit in höherem Maasse auf sich gelenkt und 
eine grössere Bedeutung erlangt haben. Im Vordergrund 
stehen die Zölle, durch welche die Tuchindustrie gegenüber 
der Landwirthschaft begünstigt wurde, die Einrichtungen, 
welche sich auf die verschiedenen Zweige der Textil- 
industrie in ihren einander entgegengesetzten Interessen be- 
ziehen und die Zölle zu Gunsten des Grundbesitzes, Daneben 
sollen eine Reihe anderer Zollagitationen und Zollgesetze be- 
sprochen werden, die charakteristisch sind für den Geist, in 
lem das Zollwesen überhaupt betrachtet und verwaltet wurde. 
Nach John Smith!) war die Kunst der Wollweberei in 
England schon seit den Römerzeiten bekannt, wurde aber 
1331 durch flandrische Einwanderung sehr gehoben. 1337 
wurde zuerst der Wollexport und der Gebrauch ausländischer 
Tuche verboten, was aber nicht ausgeführt wurde. 1339 
kamen fiscalische Wollsteuern und 1346, statt des Ausfuhr- 
verbots, Wollausfuhrzölle. Diese Steuern von der Wolle bildeten 
bis Eduard III. einen Zankapfel zwischen König und Volk. 
Unter Elisabeth fand neue Einwanderung von Tuchwebern 
statt. In dieser Zeit blühte die Tuchindustrie sehr. Es be- 
stand kein Wollexportverbot, nur ein Ausfuhrzoll. Die ganze 
Industrie war stark reglementirt, Der Tuchexport war sehr 
stark entwickelt, und gleich dem Wollexport in fiscalischem 
Interesse besteuert. Zugleich bestand in Bezug auf den Gross- 
handel mit Tuch ein Monopol grosser Gesellschaften seit 
Heinrich VIIL Unter diesem Regenten gab es auch schon 
eigentliche Tuchfabrikanten, deren Einer hundert Webestühle 
in seinem Hause hatte. Schon unter den Tudors war also die 
Tuchindustrie vielfach eine capitalistische Industrie, d. h. eine 
solche, deren Absatz vom Welthandel abhing und von grossen 
Handelsleuten beherrscht wurde, daher auch in dieser Industrie 
schon damals bei stockendem Absatz Unruhen der Arbeiter 
vorkamen. Unter den grossen Gesellschaften, die den Export 
beherrschten, waren die „Merchant adventurers“ die wichtig- 
') Memoirs of Wool. 1757.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.