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5. Buch. Der Staatskredit.
1. Die Verworrenheit des Staatskredits und die hiermit verbundenen
bedenklichen Erscheinungen erklären es also zur Genüge,
daß der Staatskredit im Anfange ungünstig beurteilt wurde. Da
der Unterschied zwischen Privat- und Staatskredit noch nicht erkannt
wurde, da ferner der Staatskredit zumeist zu unproduktiven
Zwecken in Anspruch genommen wurde, namentlich zur Kriegführung,
zur Deckung einer luxuriösen Hofhaltung, kann es keinesfalls
überraschen, daß viele Staatsmänner, auch Staatsgelehrte lange
Zeit dem Staatskredit mißtrauisch gegenüberstanden. Auf Grund
der ungünstigen Erfahrungen früherer Zeiten verurteilten den Staatskredit:
der genaue Kenner des Staatslebens, Montesquieu, ferner
Davenant, Ferguson, Turgot, und auch der ablehnende Standpunkt
Adam Smiths ist auf die erwähnten Ursachen zurückzuführen.
Hierzu kommen bei Adam Smith noch folgende Bedenken. Er
sah im Staatskredit den Feind der Sparsamkeit und den Beförderer
der übermäßigen Erweiterung der Staatstätigkeit, deren Gegner er
ja war. Auch aus dem Grunde verurteilte er den Staatskredit,
weil er das Kapital den produktiven Anlagen entzieht und so die
Nachfrage nach Arbeit mindert, was den Arbeitslohn beeinträchtigt.
Er befaßt sich auch mit der Widerlegung der Ansicht, als
ob bei Staatsaniehen die Zinsenzahlung die Werte nur von einer
Hand zur anderen führen würde, denn 1. kommen viele Anlehen
vom Auslande; 2. wenn die Steuer den Grundbesitzer oder den
Kapitalisten zu sehr belastet, dann kann der erstere keine Amelorationen
durchführen, der letztere kann seine Kapitalien ins Ausland
schicken oder vermindert sich die Kapitalansammlung, was mit
der Länge der Zeit die Vernachlässigung des Bodens und die Verschwendung
oder Verteuerung der Neubildung des Kapitals verursacht.
Interessant ist es, daß diejenigen, die sich gegen den Staatskredit
erklärten, die Frage nur vom Standpunkte des Darlehnsnehmers
betrachteten, wo doch dessen Folgen auch vom Standpunkte des
Darlehnsgebers nachteilig sein können. In dieser Periode begegnen
wir nur selten solchen Schriftstellern, die von der organischen
Bedeutung des Staatskredits eine richtigere Auffassung besaßen.
Zu diesen gehört Steuart, der in dem Staatskredit geradezu
einen Faktor der Macht des Staates sah; Melon sagt, die Staatsschulden
sind Schulden, welche die rechte Hand der linken schuldet;
Voltaire sagt, ein Staat, der nur sich selbst schuldet, kann nicht
verarmen. Auch Berkeley nimmt für den Staatskredit Stellung.
Eine eingehendere Prüfung des Smithschen Standpunktes auf Grund
der neueren Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens finden wir
zuerst bei Sinclair. Sinclair widerlegt namentlich die Vorliebe