fullscreen : Finanzwissenschaft

576

5.  Buch.  Der  Staatskredit.

1.  Die  Verworrenheit  des  Staatskredits  und  die  hiermit  verbundenen ­
  bedenklichen  Erscheinungen  erklären  es  also  zur  Genüge,
daß  der  Staatskredit  im  Anfange  ungünstig  beurteilt  wurde.  Da
der  Unterschied  zwischen  Privat-  und  Staatskredit  noch  nicht  erkannt ­
  wurde,  da  ferner  der  Staatskredit  zumeist  zu  unproduktiven
Zwecken  in  Anspruch  genommen  wurde,  namentlich  zur  Kriegführung, ­
  zur  Deckung  einer  luxuriösen  Hofhaltung,  kann  es  keinesfalls ­
  überraschen,  daß  viele  Staatsmänner,  auch  Staatsgelehrte  lange
Zeit  dem  Staatskredit  mißtrauisch  gegenüberstanden.  Auf  Grund
der  ungünstigen  Erfahrungen  früherer  Zeiten  verurteilten  den  Staatskredit: ­
  der  genaue  Kenner  des  Staatslebens,  Montesquieu,  ferner
Davenant,  Ferguson,  Turgot,  und  auch  der  ablehnende  Standpunkt
Adam  Smiths  ist  auf  die  erwähnten  Ursachen  zurückzuführen.
Hierzu  kommen  bei  Adam  Smith  noch  folgende  Bedenken.  Er
sah  im  Staatskredit  den  Feind  der  Sparsamkeit  und  den  Beförderer
der  übermäßigen  Erweiterung  der  Staatstätigkeit,  deren  Gegner  er
ja  war.  Auch  aus  dem  Grunde  verurteilte  er  den  Staatskredit,
weil  er  das  Kapital  den  produktiven  Anlagen  entzieht  und  so  die
Nachfrage  nach  Arbeit  mindert,  was  den  Arbeitslohn  beeinträchtigt. ­
  Er  befaßt  sich  auch  mit  der  Widerlegung  der  Ansicht,  als
ob  bei  Staatsaniehen  die  Zinsenzahlung  die  Werte  nur  von  einer
Hand  zur  anderen  führen  würde,  denn  1.  kommen  viele  Anlehen
vom  Auslande;  2.  wenn  die  Steuer  den  Grundbesitzer  oder  den
Kapitalisten  zu  sehr  belastet,  dann  kann  der  erstere  keine  Amelorationen
  durchführen,  der  letztere  kann  seine  Kapitalien  ins  Ausland ­
  schicken  oder  vermindert  sich  die  Kapitalansammlung,  was  mit
der  Länge  der  Zeit  die  Vernachlässigung  des  Bodens  und  die  Verschwendung ­
  oder  Verteuerung  der  Neubildung  des  Kapitals  verursacht. ­
  Interessant  ist  es,  daß  diejenigen,  die  sich  gegen  den  Staatskredit ­
  erklärten,  die  Frage  nur  vom  Standpunkte  des  Darlehnsnehmers
betrachteten,  wo  doch  dessen  Folgen  auch  vom  Standpunkte  des
Darlehnsgebers  nachteilig  sein  können.  In  dieser  Periode  begegnen ­
  wir  nur  selten  solchen  Schriftstellern,  die  von  der  organischen ­
  Bedeutung  des  Staatskredits  eine  richtigere  Auffassung  besaßen. ­
  Zu  diesen  gehört  Steuart,  der  in  dem  Staatskredit  geradezu
einen  Faktor  der  Macht  des  Staates  sah;  Melon  sagt,  die  Staatsschulden ­
  sind  Schulden,  welche  die  rechte  Hand  der  linken  schuldet;
Voltaire  sagt,  ein  Staat,  der  nur  sich  selbst  schuldet,  kann  nicht
verarmen.  Auch  Berkeley  nimmt  für  den  Staatskredit  Stellung.
Eine  eingehendere  Prüfung  des  Smithschen  Standpunktes  auf  Grund
der  neueren  Entwicklung  des  wirtschaftlichen  Lebens  finden  wir
zuerst  bei  Sinclair.  Sinclair  widerlegt  namentlich  die  Vorliebe
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.