58 Der britische Imperialismus in Indien, Persien und Mesopotamien.
stände so aufrechterhalten haben, wie sie jetzt sind. Unglücklicherweise
unterwerfen sich die Armen, die dort wohnen, nicht nur der Bedrückung
und Ausbeutung als Ergebnis der britischen Herrschaft, sondern man
muß zugeben, daß sie sich auch nicht entwickeln können wegen ihrer
eigenen unfähigen Herrscher. Aber es sind die Briten, die sie zuerst ver-
sklavten und ihnen keine Entwicklung gestatten. Nehmen Sie die Groß-
grundbesitzer. Wieder haben Sie da dieses Landpachtsystem, das in einem
großen Teil Indiens ein Feudalsystem ist und von den Briten uns gebracht
und aufrecht erhalten wurde. Es ist überaus schwierig, es zu ändern, solange
die britische Regierung dazu nicht willig ist. Bei der Politik der britischen
Regierung in Indien müssen wir auch die indischen Fürsten und Großgrund-
besitzer als ihre Bundesgenossen hinzurechnen, welche fühlen, daß sie ein
freies Indien nicht begrüßen können, weil ein freies Indien zur Befreiung
der Bauern von der Ausbeutung führen würde. Dann wieder sehen wir oft
ein verhängnisvolles Bündnis britischer Kapitalisten mit indischen Kapita-
listen. So sehen wir uns in Indien verschiedenen und mannigfaltigen Methoden
der Ausbeutung gegenüber. Das Studium der vergangenen Geschichte und
der Ergebnisse in den letzten Jahren beweist, daß die britische Politik sich
zum großen Teil auf den Besitz Indiens stützt. Schließlich wissen wir
hier alle ja eine ganze Menge über das britische Weltreich. Wer täuscht
sich auch nur einen Augenblick darüber, was mit Großbritannien geschähe,
wenn es Indien nicht besäße. Es würde kein britisches Weltreich geben. Was
in Zukunft geschehen wird, wenn Indien einmal unabhängig wird, kann ich
nicht sagen, aber sicherlich würde das britische Weltreich aufhören zu
existieren. Von ihrem kapitalistischen und imperialistischen Standpunkt aus
wollen die Engländer alles tun, um sich den Besitz Indiens zu erhalten. Ihre
ganze auswärtige Politik ist zu einem großen Teil von diesem Ziel beein-
flußt. Darum müssen sie eine feste Herrschaft in Indien errichten. Das Er-
gebnis ist, daß Indien gelitten hat und noch leidet. Aber das ist nicht alles.
Indiens wegen haben andere Länder gelitten und leiden noch. Sie haben ge-
hört von dem letzten Beispiel der Tätigkeit des britischen Imperialismus in
Indien: der Entsendung indischer Truppen nach China. Sie wurden ge-
schickt, trotzdem der Nationalkongreß Indiens seine schärfste Opposition
aussprach. Ich muß Sie daran erinnern, zu meiner Schande muß ich es er-
wähnen, daß indische Truppen oft gebraucht wurden zur Unterdrückung
anderer Völker. Ich lese Ihnen die Namen einer Anzahl Länder vor, in denen
indische Truppen von den Engländern zu diesem Zwecke gebraucht wur-
den. — Zum ersten Male gingen sie im Jahre 1840 nach China, im Jahre 1927
gehen sie noch immer dahin, und während dieser Zeit sind sie dort unzählige
Male gebraucht worden. Sie waren in Ägypten, Abessinien, am Persischen
Golf, in Mesopotanien, Arabien, Syrien, Georgien, Tibet, Afghanistan und
Burma. Es ist eine erschreckende Liste.