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Als Ergänzung der direkten Steuern fordert er Verbrauchssteuern,
um auch die unteren Klassen in gewissem Umfange zu den Gemeinde
lasten heranzuziehen. Die notwendigsten Bedarfsartikel wie Mehl und
Brot, ferner gewerbliche Rohmaterialien sollten steuerfrei bleiben. In
den kleineren (ländlichen) Orten sollte die Besteuerung auf ein oder
zwei Gegenstände des allgemeinen Verbrauchs, wegen der geringen
sozialen Klassenschichtung, beschränkt sein: auf Wein (in Form einer
Produktionssteuer in Höhe von 5 L. pro hl) und auf Fleisch (in
Form einer Schlachtsteuer in Höhe von 10 L. pro 100 kg). In den
größeren Gemeinden sollten noch Steuern in Form von Torabgaben
auf andere Verbrauchsgegenstände hinzutreten, um hier der nach
sozialen Klassen stärker differenzierten Aufwandsgliederung Rechnung
zu tragen. Namentlich wollte er die Luxuskonsumtion der wohl
habenderen Klassen stärker belastet wissen.
Sonnino 1 ) verlangt eine allmähliche Entlastung des Massen
konsums vom dazio consumo im „Interesse des Konsumenten und der
nationalen Arbeit“. Eine allgemeine, mäßig progressiv gestaltete
staatliche Einkommensteuer sollte der Reform den Rückhalt geben.
Nina * 2 3 * * ) will die Abschaffung des ganzen (staatlichen und kommu
nalen) Oktroisystems. Sie sollte ermöglicht werden durch eine Reform
der Erbschafts- und der Familiensteuer, ferner der Weinbesteuerung
(Produktionssteuer in Höhe von 5 L. pro hl.) und einiger kleinerer
Steuern, dann durch Ausdehnung der Mietsteuer auf die größeren
Gemeinden und endlich durch eine Sonderbesteuerung der wohl
habenderen Familien (in Höhe von 5 L.).
Bonomi 8 ) stimmt im wesentlichen mit Alessio und Wollemborg
überein, soweit es sich um die Oktroireform handelt, indem er die
Abschaffung der indirekten Verbrauchssteuern der Gemeinden bis
auf die von Futtermittel, Brennmaterialien, Fleisch, Wein und
Spirituosen befürwortet. Im Interesse des Handels und Verkehrs
fordert er Überführung der geschlossenen Orte in offene. Die Klein
verkaufsabgabe in letzteren sollte, weil antisozial, fallen. Der Schwer
punkt liegt auch bei ihm in einer Reform der Fleisch- und Wein
besteuerung.
') In dem Artikel „Questioni nrgenti“ in der „Nuova Antologia“, Sept. 1901.
2 ) „Giornale degli Bconomisti“, 1902, Okt. („L’abolizione dei dazi“).
3 ) Ivanoe Bonomi, La finanze locale e i suoi problemi, 1903. — Dagegen
fordert B. in der „Critica Sociale“ i. J. 1909 („Per la riforma dei tributi“) zunächst
nur eine Reform der direkten Steuern.