Full text : Die Kommunalbesteuerung in Italien

141

Als  Ergänzung  der  direkten  Steuern  fordert  er  Verbrauchssteuern,
um  auch  die  unteren  Klassen  in  gewissem  Umfange  zu  den  Gemeindelasten ­
  heranzuziehen.  Die  notwendigsten  Bedarfsartikel  wie  Mehl  und
Brot,  ferner  gewerbliche  Rohmaterialien  sollten  steuerfrei  bleiben.  In
den  kleineren  (ländlichen)  Orten  sollte  die  Besteuerung  auf  ein  oder
zwei  Gegenstände  des  allgemeinen  Verbrauchs,  wegen  der  geringen
sozialen  Klassenschichtung,  beschränkt  sein:  auf  Wein  (in  Form  einer
Produktionssteuer  in  Höhe  von  5  L.  pro  hl)  und  auf  Fleisch  (in
Form  einer  Schlachtsteuer  in  Höhe  von  10  L.  pro  100  kg).  In  den
größeren  Gemeinden  sollten  noch  Steuern  in  Form  von  Torabgaben
auf  andere  Verbrauchsgegenstände  hinzutreten,  um  hier  der  nach
sozialen  Klassen  stärker  differenzierten  Aufwandsgliederung  Rechnung
zu  tragen.  Namentlich  wollte  er  die  Luxuskonsumtion  der  wohlhabenderen ­
  Klassen  stärker  belastet  wissen.
Sonnino 1 )  verlangt  eine  allmähliche  Entlastung  des  Massenkonsums ­
  vom  dazio  consumo  im  „Interesse  des  Konsumenten  und  der
nationalen  Arbeit“.  Eine  allgemeine,  mäßig  progressiv  gestaltete
staatliche  Einkommensteuer  sollte  der  Reform  den  Rückhalt  geben.
Nina *  2  3  *  * )  will  die  Abschaffung  des  ganzen  (staatlichen  und  kommunalen) ­
  Oktroisystems.  Sie  sollte  ermöglicht  werden  durch  eine  Reform
der  Erbschafts-  und  der  Familiensteuer,  ferner  der  Weinbesteuerung
(Produktionssteuer  in  Höhe  von  5  L.  pro  hl.)  und  einiger  kleinerer
Steuern,  dann  durch  Ausdehnung  der  Mietsteuer  auf  die  größeren
Gemeinden  und  endlich  durch  eine  Sonderbesteuerung  der  wohlhabenderen ­
  Familien  (in  Höhe  von  5  L.).
Bonomi 8 )  stimmt  im  wesentlichen  mit  Alessio  und  Wollemborg
überein,  soweit  es  sich  um  die  Oktroireform  handelt,  indem  er  die
Abschaffung  der  indirekten  Verbrauchssteuern  der  Gemeinden  bis
auf  die  von  Futtermittel,  Brennmaterialien,  Fleisch,  Wein  und
Spirituosen  befürwortet.  Im  Interesse  des  Handels  und  Verkehrs
fordert  er  Überführung  der  geschlossenen  Orte  in  offene.  Die  Kleinverkaufsabgabe ­
  in  letzteren  sollte,  weil  antisozial,  fallen.  Der  Schwerpunkt ­
  liegt  auch  bei  ihm  in  einer  Reform  der  Fleisch-  und  Weinbesteuerung. ­

')  In  dem  Artikel  „Questioni  nrgenti“  in  der  „Nuova  Antologia“,  Sept.  1901.
2 )  „Giornale  degli  Bconomisti“,  1902,  Okt.  („L’abolizione  dei  dazi“).
3 )  Ivanoe  Bonomi,  La  finanze  locale  e  i  suoi  problemi,  1903.  —  Dagegen
fordert  B.  in  der  „Critica  Sociale“  i.  J.  1909  („Per  la  riforma  dei  tributi“)  zunächst
nur  eine  Reform  der  direkten  Steuern.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.