Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel III. Die Pessimisten. 
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Eicaedo’s. Weit entfernt, ein Zeichen der Freigebigkeit der Natur 
zu sein,‘entsteht die Bodenrente vielmehr aus einer traurigen Not 
wendigkeit, nämlich aus der Seltenheit des guten Bodens und dem 
Zwange, unter dem Drucke der Bevölkerung und der Bedürfnisse auf 
relativ arme Felder zurückgreifen zu müssen 1 2 3 ). ‘ „Die Bodenrente 
eine Schaffung von Werten, nicht von Gütern“, sagt Ricardo. Ein 
bedeutungsvolles Wort, das bestimmt war, viele dunkle Fragen der 
volkswirtschaftlichen Wissenschaft zu lösen. Was meint er damit? 
Er stellt hierdurch die Güter, die sich aus dem Überfluß und der 
Befriedigung ergeben, und den Wert, der aus dem Hindernis und 
der Anstrengung erwächst, einander gegenüber und behauptet, daß 
die Bodenrente der zweiten Kategorie und nicht der ersten zu 
zurechnen sei. Nichtsdestoweniger können wir uns mit dieser Er 
klärung nicht zufrieden geben. Denn es ist nicht recht zu verstehen, 
daß eine rein negative Tatsache, wie das Fehlen fruchtbaren Landes, 
ein Einkommen verschaffen könnte. Es würde besser sein, zu sagen, 
daß, wenn'die Seltenheit des benutzbaren Bodens die Bedingung des 
Auftretens der Rente ist, sie doch noch nicht ihre Ursache ist. Die 
Ursache ist die Preiserhöhung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, 
die selbst wieder bedingt ist durch die größere Arbeit und Mühe 2 ), 
die die Bewirtschaftung weniger fruchtbaren Landes mit sich bringt. 
Was daher endgültig die Rente eines Stückes Getreidebodens hervor 
bringt und der Höhe nach bestimmt, das ist die notwendige Arbeit, 
die zur Erzeugung des Getreides auf demjenigen Boden schlechtester 
Qualität erforderlich ist, der noch im Anbau ist (dem „Grenzboden“)*)/ 
Nehmen wir an, wie Eicaedo so gern schreibt, daß auf Boden 
erster Klasse die Erzeugung eines Hektoliters Getreide 10 Arbeits 
stunden kostet, und daß der Preis des Hektoliters Getreide 10 Fr. 
sei. Um eine Bevölkerung, die gemäß den Gesetzen Malthus’ wächst, 
zu ernähren, muß man nun Ländereien zweiter Klasse zu bewirt- 
*) Man zahlt der Natur für ihre Arbeit nicht auf Grund ihrer reichlichen, 
sondern auf Grund ihrer spärlichen Hilfe. Je geiziger sie mit ihren Gaben 
ist, einen um so höheren Preis läßt sie sich zahlen (8. 50). 
Und an einer anderen Stelle: „Die verhältnismäßige Seltenheit der 
■wirklich fruchtbaren Ländereien ist die Ursache der Kente“ (im Text 
unterstrichen) (8. 376). 
Es ist zu bemerken, daß Smith diese Erklärung schon in bezug auf die Pro 
duktion der Bergwerke gegeben hatte; es ist ihm aber nicht in den Sinn gekommen, 
daß auch Felder nur eine Art Bergwerke verstellen. 
2 ) Heute würden wir einfach sagen: „bedingt durch die Steigerung der Nach 
frage“, was aber ganz gegen die Lehre Ricaedo’s geht, für den nicht die Nachfrage, 
sondern die Arbeit den Wert schafft. 
3 ) „Der Wert des Getreides wird von der zu seiner Erzeugung auf den Feldern 
schlechtester Qualität aufgewendeten Arbeit bestimmt.“ 
Gide und Rist, Gesch. d. Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen. 11
	        
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