missarischen Verhandlungen mit den ver:
schiedenen Reichsministerien schon sehr un:
zeliebt dadurch gemacht, daß ich in jeder
Verhandlung wie der alte Cato, aber leider
mit weniger Erfolg, mein ceterum censeo
vorgebracht habe, daß die Verhandlungen in
Berlin weitergeführt werden müssen. Ich
halte das auch für das allein richtige und
bin der Meinung, daß Prestige-Grönde, die
angeführt werden, hinter den sachlichen Er-
wägungen zurücktreten müssen, daß es für
Deutschland unmöglich ist, an so vielen
Stellen zu verhandeln. Ich mache vor allem
auch auf die Gefahr aufmerksam, daß es
ganz unvermeidlich ist, trotz der besten
telegraphischen Verbindungen, daß der eine
Unterhändler an der einen Stelle etwas zu-
gesteht, was dem anderen nachher sehr un;
bequem ist. Dieser Zustand würde sich dann
nicht ergeben, wenn in Berlin eine zentral
zusammenfassende Stelle sein würde, welche
die Verhandlungen leitet. Es läßt sich, glaube
ich, wirklich nicht bestreiten, bei aller Re:
gierungsfreundlichkeit, die mir aus langer
Tradition innewohnt, daß eine solche Stelle
aicht vorhanden ist. Sie haben wahrschein»
.ich auch gelesen, daß man jetzt beschlossen
aat— es ist wiederholt, wenn ich nicht irre,
zuch gerade vom Reichsverband der deut:
schen Industrie an die Regierung die Bitte
gerichtet worden, für eine solche Zusam:
menfassung an geeigneter Stelle zu sor-
gen —, eine interministerielle Kommission
einzusetzen, die besteht aus dem Staats»
sekretär des Auswärtigen Amts, aus dem
Staatssekretär im Reichswirtschaftsministe-
rium und seinen Kollegen aus dem Finanz:
ministerium und dem Ernährungsministe-
rium. Diesevier Herren sollen als Kommission
zusammentreten und als Vertreter dieser
Minister, wie es heißt, die Fragen entschei-
den. Meine Herren, daß ist selbstverständ:-
‘ich eine absolut halbe Maßnahme. Gerade
ladurch, daß es vier Staatssekretäre, vier
3leichgeordnete Beamte sind, kommt natüre
ich gar nichts bei der Sache heraus. Wenn
man eine solche interministerielle Kom:
mission machen will, so muß sie nach meiner
Meinung nach aus einem höherstehenden
Beamten und Beamten einer etwas niedrige,
ven Rangstufe auf anderen Ministerien be:
stehen. Es kommt Ihnen das vielleicht etwas
bürokratisch vor, daß man auf diese Sache
zolchen Wert legt, ist aber nicht gleichgültig
für den Gang der Verhandlungen, wenigstens
dei den Beamten, ob der Vorsitzende einen
anderen Rang hat oder nicht, Ich würde
eine Konstruktion schon für richtiger halten,
bei der etwa ein dem Auswärtigen Amt an-
jehöriger Staatssekretär den Vorsitz führt
ınd die übrigen Ministerien durch die sach»
ich am besten unterrichteten Ministerial:
Jirektoren vertreten werden. Das würde
ıllerdings notwendig machen, daß im Aus-
värtigen Amt ein wirtschaftlicher Staats-
;ekretär, den es ja früher gegeben hat, wies
ler eingesetzt würde. Ich halte das aber für
vünschenswert, wie ich wiederholt auch den
‚erschiedenen Ministern des Auswärtigen;
Amtes gesagt habe, soweit sie mich um
neine Meinung gefragt haben, denn es ist
‘ür den politischen Staatssekretär im Aus-
wvärtigen Amt nach meiner Überzeugung
;chlechterdings unmöglich, die nötige Zeit
u erübrigen, um sich mit diesen Fragen zu
»eschäftigen. Andererseits ist es absolut
ı1otwendig, daß bei derartigen Verhandlun:
zen als eine Zentralstelle in Berlin das Aus:
värtige Amt die Leitung hat, und nicht etwa
las Wirtschaftsministerium oder das Finanz-
ninisterium oder das Landwirtschaftsmini-
;sterium, denn die Zusammenfassung der ver:
;chiedenen Gründe, die für oder gegen eine
Sache in Betracht kommen, kann nur bei
lem Auswärtigen Amt sein. Ich würde also
ler Meinung sein, daß man sich nach der
Richtung hin interessieren sollte, eine schär,
'ere Zusammenfassung zu erreichen.
Endlich, meine Herren, war die schwer,
;te Belastung und bleibt augenblicklich im-
ner noch die schwerste Belastung für Hans
{elsvertragsverhandlungen der Mangel einer
nneren Vorbereitung in Deutschland. Es
st eigentlich von vornherein unmöglich, mit
lem Gegner einen Kampf zu führen, wenn!
wuf der eignen Seite noch alles im Kampf
ijegt. Es muß zunächst unter den ersent
lenen deutschen Interessen ein Ausgleich!
jefunden werden, damit man mit einer
esten Front dem Gegner gegenübertreten
cann. Ein Handelsvertrag kann unmöglich
ılle Interessenten befriedigen. Er muß den
nteressen der Gesamtheit dienen, und es
nuß infolgedessen vorher festgestellt sein,
velche Wünsche in wirtschaftlicher Rich»
ung von deutscher Seite verfolgt werden.
Jas ist nicht möglich, wenn nicht auf deut-
icher Seite das erste hierfür notwendige
nstrument, nämlich der Zolltarif, feststeht,
ler ja schon einen gewissen Ausgleich der
leutschen Interessen festgestellt hat.
Es ist aber noch aus einem anderen
runde absolut notwendig, einen solchen
Zolltarif zu haben. Man muß mit der
nenschlichen Eitelkeit rechnen und damit
‚echnen, daß auch die Gegner ihren Erfolg