Full text : Ernährungswirtschaftliche Gegenwartsprobleme in Österreich

,  Was  waren  beim  die  Gründe  der  während  deZ  Krieges  ver-"
/fügten  Beschränkungen  der  Einfuhr?  Während  des  Krieges*)  war  die
Zentralisierung  und  Monopolisierung  der  Einfuhr  eine  Folge  der  Beschränkung ­
  der  Einkaufsmöglichkeit  auf  ganz  bestimmte  Märkte,  eine
Folge  der  Verminderung  des  AnboteS  gegenüber  einem  drängenden
.  Bedarfe  der  Zentralmächte.  Da  nur  geringe  Mittel,  zur  Verfügung
standen,  um  jene  Lebensmittel  und  Bedarfsartikel  zu  erwerben,  welche
zur  Fortführung  unserer  Wirtschaft  unbedingt  notwendig  waren,  konnte
man  den  Handel  nicht  schrankenlos  schalten  und  walten  lassen.  Die
freie  Konkurrenz  im  Anslande  führte  zu  ungeheuren  Preistreibereien
und  Überanboten,  welche  die  Regierungen  der  neutralen  Staaten,  in
denen  wir  überhaupt  einkaufen  konnten,  zu  Ausfuhrverboten  drängten,
wodurch  wir  speziell  auf  dem  Gebiete  des  Ernährungswesens  schließlich
zu  einem  System  der  Einfuhrverbote  und  Einfuhrbewilligungen
gelangten  und  zu  monopolartigen  Organisationen,  welchen  die  Einfuhrtätigkeit
  und  Verteilung  der  importierten  Waren  übertragen  wurde.
Insbesondere  unser  Verhältnis  zu  Deutschland  zivang  uns,  auf  dem
Gebiete  des  Jmporthandels  im  Rahmen  einer  kartellmäßigen  Vereinbarung ­
  die  durchaus  zentralisierte  Einfuhr  aufrechtzuerhalten.
Das  System  der  gebundenen  Einfuhr  blieb  auch  nach  Abschluß
des  Waffenstillstandes  während  der  Dauer  der  Blockade  und  zum  Teile
auch  nach  deren  Aufhebung  aufrecht,  da  sich  die  Verhältnisse,  wie  sie
während  des  Krieges  bestanden,  nicht  nur  nicht  gebessert,  sondern  vielfach ­
  noch  verschärft  hatten.  Auf  dem  Gebiete  der  Einfuhr  von  Nahrungsmitteln ­
  wurde  jedoch  bereits  eine  Art  Übergangswirtschaft  eingeleitet,
indem  an  die  zentralen  staatlichen  Einkaufsorganisationen  unter  Heranziehung ­
  des  Handels  eine  Reihe  kaufmännischer  Organisationen  angegliedert ­
  wurden,  welchen  für  bestimmte  Artikel  die  Durchführung  der
Einfuhr  übertragen  wurde.  Zweck  dieser  Maßnahme  war,  in  dem
Zeitraume  seit  dem  Waffenstillstand  bis  zur  erhofften  Wiederkehr
normaler  Verhältnisse,  der  Kaufmannschaft  und  dem  Handel  in  der
Form  der  Organisation  die  Möglichkeit  zur  Mitwirkung  beim  Importe
und  zur  Wiederanknnpfung  ihrer  Verbindungen  mit  dem  Auslande  zu
geben.  Die  Mehrzahl  dieser  Organisationen  hat  die  ihr  übertragenen

*)  Siehe  die  ausführlichen  Mitteilungen  Sektionschefs  Riedl  sowie  meine
Ausführungen  in  der  ,,Vereinigten  Kommission  des  Abgeordneten-  und  Herrenhauses ­
  für  Kriegswirtschaft",  Stenographisches  Protokoll  der  1,  Sitzung  am
11.  September  1917,
            
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