Mittel einer sofortigen Produktionssteigerung und einer namhaften
Erhöhung der Ablieferungen angepriesen.
Was würde unter den gegenwärtigen Verhältnissen beim Fallen
aller Preisschranken für inländische Agrarprodnkte geschehen? Eine
sofortige sehr wesentliche Erhöhung der Preise und zwar bis zur Aus
landsparität plus Fracht und Spesen. Bei den ungenügenden Importen
und der drängenden Nachfrage ist es sogar nicht ausgeschlossen, daß
sich der Preis zeitweise selbst über die Parität erhöbe.
Ob dies tatsächlich eine sofortige Produktionssteigernng zur Folge
hätte, bezweifle ich. Die berüchtigten „Anreizpreise" haben im Kriege
zumeist ihre prodnktionsstärkende Wirkung verfehlt. Es ist ja die
Steigerung der Produktion bekanntlich nicht ausschließlich eine Preis
frage und ich habe heute schon einmal daraus verwiesen, daß die
Prodnktionsvermehrung von einer ganzen Reihe anderer Faktoren
abhängig ist und sich überhaupt nicht von heute ans morgen vollzieht.
Selbstverständlich dürfen die gebundenen, die Höchstpreise keine Verlust
preise sein. Sie dürfen nicht die Prodnktivnsfrende unterbinden. Ich
ivill hier nicht untersuchen, ob und inwiefern dieser Forderung bei den
noch zu Recht bestehenden Übernahmspreisen immer Rechnung zu tragen
ist. Ich halte bei manchen Artikeln die geltenden Preise für nicht mehr
angemessen und eine Erhöhung unbedingt für notwendig, beispielsweise
für Milch. Aber die völlige Freigabe der Preise bei den kontingentierten
Artikeln erachte ich derzeit nicht für richtig, wenn ich auch gewisse Jnkon-
venienzen der Tatsache, daß ein Teil der Produktion preisgebunden, ein
anderer Teil bereits der freien Preisbildung überlassen ist, nicht leugnen kann.
Sehr fraglich ist es auch, ob tatsächlich die Erhöhung der
Preise, zum Beispiel des Getreides auf den Preis, zu dem uns das
ausländische Getreide zu stehen kommt — und das wird ja doch wohl
darunter verstanden, wenn verlangt wird, daß dem Landwirt der
Weltmarktpreis gegeben werde — eine wesentliche Erhöhung der
Ablieferungen bewirken würde. Zunächst muß man sich doch vorstellen,
was heute der sogenannte Weltmarktpreis bedeutet: Argentinischer Weizen
(zur Weltfracht) stellt sich beim heutigen Wert der Krone auf zirka
1.330 Kronen pro Meterzentner cif europäischen Hafen oder 13 Kronen
das Kilogramm, das ist zirka das 54fache des Friedenspreises. Und
wenn die Krone von 6 auf 4 und auf 3 ^fällt, soll dann tatsächlich der
Getreidepreis weiter um 20 Prozent und um 40 Prozent steigen?
Kann man, solange unsere Valuta den wildesten Schwankungen aus
gesetzt ist, von einem Weltmarktpreis sprechen?
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