fullscreen: Bolschewismus, Fascismus und Demokratie

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DIE URSACHEN DER VERWIRRUNG UND IHR WACHSEN 
Nach so vielen Siegen der liberalen Idee erleben wir jetzt eine wirkliche 
Krisis der Freiheit, die sich entweder durch Revolution, wie der Bolsche- 
wismus, oder durch autokratische oder reaktionäre Erscheinungen, wie der 
Fascismus und die militärischen Diktaturen, äußert. Die revolutionären und 
reaktionären Elemente regen sich überall, und der Kampf zwischen ihnen 
ist stärker als der zwischen den liberalen und den anderen Parteien. 
Wo sich infolge des Krieges nationalistische Tendenzen zeigen, reagieren 
fast immer die Arbeitermassen durch revolutionäre Kundgebungen oder durch 
einen maßlosen Sozialismus, der oft kommunistische Formen annimmt. Wo 
aus Not oder durch die Einwirkung fremder Elemente revolutionäre oder 
kommunistische Ideen sich durchsetzen wollen, versucht das Bürgertum ihnen 
durch Schaffung oder Unterstützung bewaffneter Reaktion verschiedener 
Art, aber immer gleichen Ursprungs entgegenzuwirken. 
Die Freiheit bedeutet bei modernen Völkern zugleich Gesundheit. Nach 
dem Krieg blieb die moralische Gesundheit in wenigen Ländern erhalten. Es 
gab und gibt noch immer einen Machtrausch. Wenige Völker Europas wissen 
von ihrer Freiheit einen gesunden Gebrauch zu machen. Die wirtschaftliche 
Freiheit ist fast verschwunden, die religiöse Freiheit in vielen Ländern be- 
droht, die politische Freiheit täglichen Krisen ausgesetzt. Europa befindet 
sich in einem Prozeß der Auflösung. Täglich mehr droht es, in neue Staaten 
zu zerfallen und durch die Übertreibungen des Schutzzoll-Systems zu verarmen. 
Nur wenige Länder haben noch eine gesunde Währung, in vielen ist die 
Produktion geringer als der Verbrauch. Zwischen den Staaten, die Krieg ge- 
führt haben, herrscht kein gegenseitiges Vertrauen : überall Arbeitslosigkeit, 
überall Unordnung im Handelsverkehr, überall die Gefahr neuer Kriege, Die 
Sieger haben nur geringes Vertrauen, daß die Verträge gehalten werden ; 
die Besiegten nehmen gegen ihre Überzeugung diese Verträge für die Zukunft 
an. Hieraus entsteht der Zustand gegenseitigen Mißtrauens. 
Ein grundlegender Irrtum hat das ganze europäische Leben beeinflußt: 
die Haltung gegen Rußland. 
Die siegreichen Mächte glaubten nach dem Krieg und angesichts der pol- 
nischen Gefahr den Bolschewismus mit allen Mitteln, vor allem mit mili- 
tärischen, bekämpfen zu sollen. Sie sträubten sich nicht nur lange Zeit, die 
Regierung von Moskau anzuerkennen, sondern suchten sie mit allen mili- 
tärischen und wirtschaftlichen Mitteln zu bekämpfen. Nach dem vergeblichen
	        
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