Object: Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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ders beliebt sind bei den Konsumvereinen die heute zweimal wöchent 
lich erscheinenden Warenberichte, die über die allgemeine Marktlage, 
Preislage, den Wasserstand der Flüsse usw. Aufschluß geben. Diese 
Warenberichte enthalten auch die sog. Vorschlagslisten, wobei es sich 
um die Angabe der gerade günstig einzukaufenden Artikel handelt, was 
dem Einkäufer kleiner Vereine gute Dienste leistet. Die Großeinkaufs 
gesellschaft als Lieferantin unterscheidet sich sehr stark von den anderen 
Lieferanten der Konsumvereine. Sie ist nur Mittel zum Zweck, 
nicht auch Selbstzweck. Dieser Gedanke zieht sich durch dieses 
ganze Kapitel hindurch, weshalb ich an dieser Stelle nicht besonders 
darauf eingehe. 
Trotz dieser wesentlichen Erleichterung des konsumgenosseuschaft- 
lichen Einkaufs muß doch die Wahl des Einkäufers sehr vorsichtig ge- 
haudhabt werden; denn „die Gefahr der Ueberredung und Beeinflussung 
des Einkäufers ist nicht gering, und nur charakterfeste, energische und 
mit Warenkenntnissen versehene Personen sollten zum Einkäufer in 
den Konsumvereinen bestimmt werden"?) In einer Vorstandswahl 
durch die Generalversammlung kann es leicht vorkommen, daß sich die 
Wühler durch das Redetalent eines Kandidaten beeinflussen lassen 
und weniger auf seine sonstigen Fähigkeiten Rücksicht nehmen. Man 
ist deshalb in den Konsumvereinen dazu übergegangen, daß der Auf 
sichtsrat zuerst über die in Frage kommenden Personen berät und 
dann der Generalversammlung Vorschläge unterbreitet, wodurch der 
Wahl durch die Generalversammlung die Wahllosigkeit genommen 
wird. 
Eine Jnteressierung der konsumgenossenschaftlichen Ein 
käufer am Umsätze oder am Ueberschuß durch Prämien usw. kennt man 
nicht, wenigstens ist sie in den meisten deutschen Konsumvereinen unbe 
kannt. Man würde auch damit die Einkäufer leicht verleiten, weniger 
auf die Qualität der Bedarfsgüter, als auf ziffernmäßige Billigkeit zu 
sehen. Im übrigen ist bei den Verwaltuugsbeamten der Konsum 
genossenschaften von vornherein ein starkes Eigeninteresse vorhanden, 
wenn es auch ideeller Natur ist. Zu einem Teile entspringt dieses 
Eigeninteresse der Begeisterung für die kousumgenossenschaftliche Idee, 
an deren Verwirklichung die Verwaltungsbeamteu als führende Män 
ner mitarbeiten. Das mag absonderlich klingen in unserem materiali 
stischen Zeitalter, und doch beruht diese Angabe auf ganz besonderen 
Beobachtungen. Zum andern Teil ist es der Ehrgeiz jener Beamten, 
in dem großen Wettbewerb der Konsumgenossenschaften den Rekord 
s) Rupprecht, a. a. O. S. 53.
	        
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