Object: Lebenserinnerungen

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bestanden und durfte frohen und dankbaren Linnes vom Qpnu 
nasium und von den Lehrern scheiden. 
Vun aber war ein schwerer Lntschlust zu fassen: es galt zu 
entscheiden, ob ich mich von meiner Mutter trennen oder ob 
sie mich zur Universität begleiten sollte. Verschiedene Treunde 
hatten Bedenken gegen ein Llufgeben der Heimat, manche 
fürchteten auch, das Zusammenleben würde mich einengen und 
von einer Verbindung mit den Ltudiengenossen abhalten. Vun 
war aber meine Mutter selbst aufs eifrigste bestrebt, mich in einen 
engen Zusammenhang mit meinen freunden und überhaupt mit 
der Umgebung zu bringen. Ich sollte nach ihrem plane mich 
möglichst in allen Künsten und Wertigkeiten ausbilden, eifrig 
Lchlittfchuhlaufen treiben, auch Tanzstunden nehmen, die mir 
wenig angenehm waren; nUr die Musik war mir eine rechte Treude. 
Luch die äusteren Umgangsformen sollten nicht vernachlässigt 
werden. Kurz, sie wirkte meinem Ltreben nach Philosophieren, 
grübeln, Linsamkeit mit besten Kräften entgegen, ihren Be 
mühungen war es vornehmlich zu verdanken, dast ich nicht ein 
einseitiger gelehrter wurde. 5o war von dieser Leite aus für ein 
Zusammenleben keine gefahr zu befürchten. Quch während der 
Universitätsfahre hat sie unermüdlich gewirkt, meine Beziehungen 
zur Umgebung auszubilden; manchen freunden wurde unser be 
scheidenes Heim lieb und wert. 
War aber der Lntschlust für eine Trennung von Ostfriesland 
gefastt, so mustten wir uns auch von unserem Haus trennen, und 
es wurde zugleich der Lntschlust gefastt, den Hauptteil unserer 
Möbel zu verkaufen. Vie Trennung von der Ltätte, an der ich meine 
Iugend verlebte, ist mir nicht leicht gefallen. Quch war es mir 
schmerzlich, dast manche Lieblingsstücke unseres Hausgerätes unter 
den Hammer kamen. Über wir konnten unmöglich den ganzen 
Hausrat in die weite Welt mitnehmen. Lo wurde nur ein Teil 
verpackt und nach göttingen gesandt. Was immer aber dieser 
Abschied von der Heimat an Vachkeilen brachte, das wurde weit 
überwogen durch die Aussicht, in ein weiteres, freieres, reicheres 
Leben zu kommen. Ich war bei fener Wendung zugleich ernst und 
freudig gestimmt, ich hatte den glauben und die Zuversicht einer 
aufstrebenden Iugend, und was noch wichtiger war: ich trug in 
mir selbst eine feste Hauptrichtung, die ich durch mein ganzes 
Leben festhalten konnte. Lchon damals bewegte sich mein Leben 
und Ltreben um zwei Pole, dieser Unterschied, fa gegensatz, gab 
meinem Ltreben einen Antrieb und eine Aufgabe: Linerseits be 
herrschten mich die grasten Probleme der Keligion und einer ihr 
eng verbundenen Moral; von hier aus suchte ich eine feste Konzen 
tration meines Ltrebens und Lebens. Llndererfeits aber trieb mich
	        
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