24
bestanden und durfte frohen und dankbaren Linnes vom Qpnu
nasium und von den Lehrern scheiden.
Vun aber war ein schwerer Lntschlust zu fassen: es galt zu
entscheiden, ob ich mich von meiner Mutter trennen oder ob
sie mich zur Universität begleiten sollte. Verschiedene Treunde
hatten Bedenken gegen ein Llufgeben der Heimat, manche
fürchteten auch, das Zusammenleben würde mich einengen und
von einer Verbindung mit den Ltudiengenossen abhalten. Vun
war aber meine Mutter selbst aufs eifrigste bestrebt, mich in einen
engen Zusammenhang mit meinen freunden und überhaupt mit
der Umgebung zu bringen. Ich sollte nach ihrem plane mich
möglichst in allen Künsten und Wertigkeiten ausbilden, eifrig
Lchlittfchuhlaufen treiben, auch Tanzstunden nehmen, die mir
wenig angenehm waren; nUr die Musik war mir eine rechte Treude.
Luch die äusteren Umgangsformen sollten nicht vernachlässigt
werden. Kurz, sie wirkte meinem Ltreben nach Philosophieren,
grübeln, Linsamkeit mit besten Kräften entgegen, ihren Be
mühungen war es vornehmlich zu verdanken, dast ich nicht ein
einseitiger gelehrter wurde. 5o war von dieser Leite aus für ein
Zusammenleben keine gefahr zu befürchten. Quch während der
Universitätsfahre hat sie unermüdlich gewirkt, meine Beziehungen
zur Umgebung auszubilden; manchen freunden wurde unser be
scheidenes Heim lieb und wert.
War aber der Lntschlust für eine Trennung von Ostfriesland
gefastt, so mustten wir uns auch von unserem Haus trennen, und
es wurde zugleich der Lntschlust gefastt, den Hauptteil unserer
Möbel zu verkaufen. Vie Trennung von der Ltätte, an der ich meine
Iugend verlebte, ist mir nicht leicht gefallen. Quch war es mir
schmerzlich, dast manche Lieblingsstücke unseres Hausgerätes unter
den Hammer kamen. Über wir konnten unmöglich den ganzen
Hausrat in die weite Welt mitnehmen. Lo wurde nur ein Teil
verpackt und nach göttingen gesandt. Was immer aber dieser
Abschied von der Heimat an Vachkeilen brachte, das wurde weit
überwogen durch die Aussicht, in ein weiteres, freieres, reicheres
Leben zu kommen. Ich war bei fener Wendung zugleich ernst und
freudig gestimmt, ich hatte den glauben und die Zuversicht einer
aufstrebenden Iugend, und was noch wichtiger war: ich trug in
mir selbst eine feste Hauptrichtung, die ich durch mein ganzes
Leben festhalten konnte. Lchon damals bewegte sich mein Leben
und Ltreben um zwei Pole, dieser Unterschied, fa gegensatz, gab
meinem Ltreben einen Antrieb und eine Aufgabe: Linerseits be
herrschten mich die grasten Probleme der Keligion und einer ihr
eng verbundenen Moral; von hier aus suchte ich eine feste Konzen
tration meines Ltrebens und Lebens. Llndererfeits aber trieb mich