Full text : Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russisch-Polen und dem Deutschen Reiche und die sich daraus für den Friedensschluss ergebenden Folgerungen

gegründet,  und  die  Anteile  sind  dann  zum  großen  Teil  auf  den
französischen  Markt  gebracht  worden.  So  sind  die  Werke  in
mobiler  Form  in  französischen  Besitz  geraten.  Nur  ein  kleiner  Teil
des  mobilen  Besitzes  ist  hierbei  in  deutschen  Händen  geblieben.
Neben  den  Gruben  sind  auch  die  für  Rußland  sehr  bedeutsamen ­
  Eisen-  und  Zinkhütten  m  e  i  st  durch
Deutsche  geschaffen  lind  entwickelt  worden.  Daß  sie  in
neuerer  Zeit  in  anderen  Besitz,  zum  Teil  in  französischen  und
zum  Teil  in  russisch-polnischen,  übergegangen  sind,  lag  ebenfalls
an  der  Gesetzgebung  und  den  Verwaltungsmaßnahmen  Rußlands.
Natürlich  hat  die  große  Industrie,  die  jenseits  der  Grenze
parallel  mit  der  oberschlesischen  entstanden  ist,  auch  ähnliche  Geineindebildungen
  wie  in  Oberschlesien  hervorgerufen;  man  kann
wohl  sagen,  daß  sich  diese  Städte,  namentlich  Czenstochau,  Sosnowice
  und  Bendzin,  nach  dem  Muster  der  benachbarten  deutschen
Städte  entwickelt  haben.  Diese  Städte  sind  viel  besser  als  ihr
Ruf;  es  sind  dort,  ganz  im  Gegensatz  zum  weiteren  Polen  und
Rußland  und  schließlich  auch  Galizien,  viele  Einrichtungen  geschaffen ­
  oder  im  Werden  begriffen,  die  als  moderne  Errungenschaften ­
  von  deutschen  Städten  in  Anspruch  genommen  werden.
Infolge  dieser  geographischen  Lage,  der  geologisch-bergbaulichen ­
  Verhältnisse  und  der  Kulturverhältnisse  des  Meises  Bendzin ­
  hat  stets  ein  äußerst  reger  Verkehr  und  Handel  zwischen
diesem  Kreise  einerseits  und  den  Kreisen  Kattowitz,  Beuthen,  Gleiwitz,
  Tarnowitz  k.  andererseits  stattgefunden.  Die  Bevölkerung  ist
absolut  nicht  russifiziert  oder  stark  polnisch.  Es  kann  mit  Sicherheit ­
  behauptet  werden,  daß,  falls  der  Kreis  in  deutsche  Hände
kommt,  er  in  kürzester  Frist,  was  Germanisation  anbetrifft,  dasselbe ­
  Bild  bieten  würde,  wie  die  Jndustriekreise  hier  in  Oberschlesien, ­
  wobei  natürlich  vorausgesetzt  wird,  daß  die  sämtlichen
französischen  und  russischen  Direktoren  aus  der  Leitung  der
dornigen  Industrie  entfernt  werden,  was  sich  unseres  Erachtens
übrigens  in  kürzester  Frist  von  selbst  vollziehen  würde.
llmgekehrt  ivürde  das  Gebiet,  wenn  es  Österreich  zugeschlagen ­
  ivürde,  wohl  in  ganz  kurzer  Zeit  vollständig  polonisiert  sein.
Das  ivürde  aber  die  ungünstigsten  Folgen  für  Oberschlesien  haben.
Die  Polnische  Agitation  in  O  b  e  r  s  ch  l  e  s  i  e  n  ,  die
bisher  hauptsächlich  aus  Krakau  genährt
wurde,  würde  alsdann  in  verstärktem  Maße
i  h  r  H  a  u  P  t  e  r  h  e  b  e  n.  Es  darf  daran  erinnert  werden,  daß
kurz  vor  Ausbruch  des  Krieges  die  polnische  Agitation  gerade
in  Österreich  zu  erheblichen  Ausschreitungen  gegen  die  Deutschen
führte;  und  daß  sich  die  polnische  Agitation  bereits  jetzt  wieder
lebhaft  bemerkbar  macht.  —
            
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