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Die Fortschritte der Bimienschisfahrtsstraßeu.
3. im Elbverbande zur Herstellung von Fahrwassertiefen;
a) in der Elbe, welche bei dem niedrigsten Wasserstande des Jahres 1904 1,10 in
oberhalb und mindestens 1,25 in unterhalb der Saalemündung betragen sollen;
d) zum Ausbau der Saale von der Einmündung des geplanten Verbindungskanals
mit Leipzig in der Nähe von Kreypau bis Halle für Schiffe von mindestens 400 t
Tragfähigkeit sowie zur Verbesserung des Fahrwassers von Halle bis zur Mündung
in die Elbe.
Es ist zu erwarten, daß mit der endgültigen Einführung der Schiffahrtsabgaben, die
freilich noch immer viele und erbitterte Feinde haben, eine ganz neue Ära der Entwickelung
der deutschen Binnenschiffahrt beginnen wird — hoffentlich eine erfreuliche!
In Österreich wurde im ersten Anfange des Jahrhunderts ein energischer Anlauf
zur Schaffung eines großartigen, neuen Kanalnetzes genommen, dem jedoch bis heute nicht
die Verwirklichung gefolgt ist. 1901 legte die österreichische Regierung dem Parlament
einen Antrag zur Durchführung von Wasserstraßen und Flußregulierungen vor, der
auch in beiden Häusern genehmigt wurde. Dieses Wasserstraßengesetz vom 11. Juni 1901
setzte die Erbauung des Donau —Oderkanales, des Donau—Moldaukauales nebst
Kanalisierung der Moldaustrecke Budweis—Prag, des March — Elbekanales nebst
Kanalisierung der oberen Elbe von Pardubitz bis Melnik, des Oder—Weichsel- und
Weichsel—Dnjcstrkanales fest. Die Wahl der Tracen, der Ausgangs- und Endpunkte
wurde der Regierung überlassen. Eine in Wien aufgestellte Direktion für den Bau der Wasserstraßen
hatte die notwendigen Studien und Vorarbeiten durchzuführen und die Projekte zu verfassen;
hierbei ergaben sich aber eine Menge Schwierigkeiten rechtlicher, technischer und
finanzieller Natur; es erstanden dem Projekte zahlreiche Gegner, welche auf die Unmöglichkeit
einer Rentabilität hinwiesen und die Anlegung von Massengüterbahnen an Stelle
der Kanäle befürworteten: es verringerte sich allmählich die Lust zum Bau von Kanälen,
zumal da auch politische Fragen damit verquickt würden, und die Folge davon war, daß
bis ans einige Vorbereitnngsarbeiten bis heute nichts von jenem Progamm verwirklicht
worden ist. 1911 wurden sogar der Donau—Moldau- und der March —Elbekanal endgültig
zurückgestellt, und nur der Donau—Oder—Weichsel—Tnjestrkanal soll demnächst
geschaffen werden. Mit den Weichsclregulierungsarbeiten und dem Krakauer Hafenbau
ist bereits begonnen worden.
Sind in Deutschland und Österreich die Fortschritte des Binnenschiffahrts- und Kanalwesens
seit der Jahrhundertwende im wesentlichen noch als Wechsel auf die Zukunft zu
betrachten, so gilt für die übrigen Kulturländer genau dasselbe, denn überall hatte man
3—4 Jahrzehnte lang den Ausbau des Binnenwasserstraßennetzes zugunsten des Eisenbahnnetzes
nur allzusehr vernachlässigt. Allenthalben geht man mit großartigen Ideen
um, deren Verwirklichung eine ganz neue Epoche der Binnenschiffahrt bedeuten würde,
aber allenthalben ist man auch, wie in Süd deutsch land, über die Erwägungen auf dem
Papier noch nicht wesentlich hinausgekommen. Es können hier unmöglich alle die weitblickenden
Projekte von einschneidender Bedeutung erörtert werden, wie sie insbesondere
in Österreich-Ungar», Frankreich, England und in den für gewaltige Kanalbauten so besonders
gut geeigneten Ländern des europäischen und asiatischen Rußlands sowie in Nordamerika
seit geraumer Zeit erörtert und immer aufs neue diskutiert werden. Nur einiges
Wenige über ein paar tatsächlich bereits gesicherte Kanalisierungen und Kanalbauten sei
daher mitgeteilt.
In England bewältigen die Kanäle den siebenten Teil des Gesamtgüterverkehrs
des Landes. Unter ihnen ist der 1894 eröffnete Manchester-Schifsskanal weitaus der wichtigste.
1906 wurde eine „Royal Commission of Canals and Watenvays“ ernannt, die
über alle möglichen Kanalfragen und auch über den von vielen Seiten befürworteten Ankauf
der meist im privaten Besitz befindlichen Kanäle durch den Staat beraten sollte. Über das
Beraten ist man aber leider bisher noch nicht hinausgekommen, und für die nächsten Jahre
ist eine Änderung dieser Zustände auch schwerlich zu erwarten. — Anderswo in Europa