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II. Akratie und Anstagie.
lichung der entsprechenden Gedanken und Ideale im
Leben gewesen ist und es niemals gleichgültig war,
wie die Schlagworte lauten und klingen, mit denen die
geistigen Kämpfe ausgekämpft werden. Man denke
nur etwa an den Unfug, der in diesem Krieg mit dem
Wort „Militarismus" getrieben worden ist und
welchen ganz reellen großen Schaden uns dieser törichte
Begriff zugefügt hat. Uni ähnliche Allgemeinvorstel-
lungen und Jdealbegriffe aber handelt es sich in allen
Staats- oder Gesellschaftstheorien, da die Realitäten
dieses Gebietes nur in Abstraktionen der Betrachtungs
weise zugänglich sind. Direkt und konkret faßbar sind
dabei nur eine große Anzahl zu einer Nation geeinig
ter Menschen, darunter Staatsbeamte und Behörden
aller Art, und Staatsbürger, daneben gedruckte Ge
setze, Verordnungen und Paragraphen aller Art. Sinn
tlnd Ziel aller dieser Vorkehrungen und Ämter, wie auch
des vom Einzelnen dazu Gewünschten und Erstrebten,
ist nur in Allgemeinbegriffen zu formulieren. Das
Schellen auf die „Abstraktion" ändert daran gar nichts,
verschwommene Intuition kann auch nicht helfen und
an die abstrakten Worte klammert sich Zustimmung
wie Angriff. Ja sie werden oft zu wirklichen Kräften
und Zuschlag oder Totschlagworten; so ist z. B. für viele
das Wort Aristokrat niit „ostelbischem Junker" durch
feste Gedankenassoziationen unlösbar verbunden; Anar
chie tmd Chaos desgleichen; und auch in dem Begriff
„Geistesaristokrat" bleibt der zweite Teil als freiheits
gefährlich verdächtig. In dem Fortschleppen alter, ver
brauchter und mißbrauchter Ausdrücke aber kann mehr
reale Gefahr für die Politik liegen, als die Verächter
scharfer begrifflicher Fassungen zuzugeben gewillt sind.