II. Akratie und Aristagie.
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Unsere ganze Terminologie auf diesem Gebiete
stammt aus dem Griechischen und drei Worte haben
da Bedeutung erlangt, deren mir am schärfsten schei
nende Verdeutschmig ich daneben setze: Kratein:
Gewalt haben über jemand; Archein: herrschen; und
(in Zusammensetzungen stets mit passivem Sinn)
Agoge: die Leitung, Führung. Dagegen ist das die
sem letzten Wort zugrunde liegende Verbum Agein:
führen, leiten, lenken, zu entsprechenden Bildungen,
wie die beiden ersten, bisher nicht benützt worden.
In „Pädagogie" wird der Geführte, in der Monar
chie der Führende bezeichnet.
Alle drei Worte haben das Gemeinsame, daß sie
zwei Gruppen von Menschen einander gegenüber
stellen: solche, die ein Ziel, eine Richtung des Handelns
angeben und dadurch eine Macht ausüben — und die
anderen, die ihnen folgen oder gehorchen; die ersten
sind dem Wert, der Bedeutung nach übergeordnet,
haben besondere Rechte usw. Der Gebrauch dieser
drei Worte geht im Griechischen oft ineinander über;
seit sie zur Begriffsbildnng gedient haben, kann man
wohl feststellen, daß sie eine Reihe desselben Ober
begriffs mit abnehmender Stärke darstellen: Kra-
tein drückt das mögliche Verhältnis der Obergruppe
zur Untergruppe am schärfsten aus, Agein am schwäch
sten. Über die beste Übersetzung kann man streiten; der
Stärkegrad für die Unterschiede in einem möglichen
Oberbegriffe (den man etwa mit: „menschlichem Wil
len Richtung geben" zu treffen versuchen kann)
scheint mir sicher: Autokratie ist stärker, die durch das
Anführen erlangte Macht am schärfsten betonend, als
Monarchie; Agein erinnert stets an die mildere Form