126 Neuntes Buch. Erstes Kapitel.
die Edlen ihrerseits begannen eigenmächtig Zölle zu erheben,
Kaufleute zu plündern: ein Kampf aller gegen alle stand bevor.
Der heimkehrende Kaiser war über dies Unwesen im höchsten
Grade erbittert; mit einer von allen Zeitgenossen gefürchteten
Thatkraft schritt er dagegen ein, indem er die einzelnen Frevler
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halben begünstigte: bis er seine beschwichtigende Thätigkeit
schließlich durch einen allgemeinen Reichsfrieden krönte: pacem
diu desideratam et antea toti terrae nécessariam per uni-
versas regni partes habendam regia autoritate indixit.
Klar aber war jetzt, daß es neben diesen allgemeinen Maß—
regeln einer noch viel dauerhafteren Sicherung der Lage des
Königtums im Reiche bedurfte, als bisher, sollte der Kaiser
den Zielen seiner italienischen Politik mit Sicherheit nachgehen
dürfen. Vor allem kamen hier die Laienfürsten in Betracht;
durch neue Konzessionen mußte ihre Ruhe in Deutschland, ihre
thätige Beihilfe für Italien erkauft werden. Es geschah, indem
die Spannung zwischen Heinrich dem Löwen und Heinrich
von Österreich beseitigt ward. Der sterreicher hatte, wie wir
wissen, das Herzogtum Baiern an den Welfen abtreten müssen;
diesen Verlust verschmerzte er nicht eher, als bis ihm der Kaiser
zum Entgelt seine Markgrafschaft Österreich mit bis dahin un—
erhörten Prärogativen ausstattete. sterreich wurde am 17. Sep⸗
lember 1156 zu einem von Baiern völlig unabhängigen Herzogtum
erhoben, dem neuen Herzog ward die volle Regierungsgewalt
im Lande zu Teil, seine Leistungen an das Reich, vornehmlich
auch in Sachen der Heeresfolge, wurden bedeutend verringert,
das Land endlich ward als unteilbar hingestellt und frei auch
an Töchter vererblich.
Es waren die Anfänge einer völlig neuen Reichspolitik,
ija Reichsverfassung. Zum erstenmal wird hier, wie später vor
allem beim Sturze Heinrichs des Löwen, die alte Stammeseinheit
eines großen Herzogtumes mit seinem Zubehör dauernd durch—
schnitten zu Gunsten der Entstehung eines kleineren fürstlichen
MG. Const. 1, 194 ff. 3. J. 1152.