Full text : Der Deutsche Post-Zeitungsgebührentarif

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seltenen  Erscheinens  der  Post  viel  weniger  Arbeit  als  gleich
teure  oder  billigere  Zeitungen,  die  täglich  ein  oder  mehrere
Mal  erschienen,  genossen  aber  keine  entsprechende  Ermäßigung
der  Zeitungsgebühr.  Diese  Ungerechtigkeit  des  Tarifs  wurde
später  dadurch  wenigstens  gemildert,  daß  vom  Jahre  1867
ab  die  Zeitungsgebühr  für  die  weniger  als  viermal  im  Monat
erscheinenden  Zeitschriften  eine  Herabsetzung  auf  12Va%  des
Einkaufspreises  erfuhr.  Damit  war  jedoch  wenig  erreicht;
die  zahlreichen  Wochenschriften,  die  nur  einmal  wöchentlich
zu  befördern  waren,  mußten  nach  wie  vor  unverhältnisniäßig
hohe  Zeitungsgebühren  zahlen.
Im  Gegensatz  zu  den  Zeitschriften  war  für  solche  Zeitungen,
die  ihre  Preise  billig  normieren  konnten,  der  Tarif  nach  dem
Einkaufspreis  der  Zeitungen  äußerst  günstig.  Die  Zahl  der
billigen  Zeitungen  nahm  namentlich  in  den  1880  er  Jahren
stark  zu.  Es  beruhte  dies  darauf,  daß  die  Konkurrenz  sowie
die  durch  Bervollkommnung  der  technischen  Einrichtungen
verursachte  Verminderung  der  Produktionskosten  und  das
Steigen  der  Jnseratenerträge  viele  Verleger  veranlaßten,  die
Preise  ihrer  Zeitungen  herabzusetzen  oder  von  vornherein
minimal  zu  bemessen.  Die  Anforderungen,  die  bei  dem  Vertrieb ­
  der  billiger  gewordenen  Zeitungen  an  die  Post  gestellt
wurden,  blieben  dieselben  wie  früher;  z.  T.  stiegen  sie  sogar,
da  die  Zahl  der  Ausgaben  oder  der  Umfang  der  Zeitungen
zunahmen.  Das  Entgelt,  das  die  Post  für  ihre  Mühewaltungen ­
  beim  Vertrieb  dieser  Zeitungen  erhielt,  erfuhr  dagegen ­
  eine  Schmälerung,  weil  die  prozentual  zu  erhebende
Zeitungsgebühr  entsprechend  der  Verbilligung  der  Verlagspreisc
geringer  bemessen  werden  mußte.
Wegen  dieser  Uebelstände  war  die  Postverwaltung  schließlich
gezwungen,  mit  deni  Tarif  nach  dem  Einkaufspreis  der  Zeitungen,
der  sie  vollständig  von  den  Verlegern  abhängig  machte  und
sie  finanziell  immer  ungünstiger  stellte,  zu  brechen.  Es  entstand
ein  Tarif,  der  den  verschiedenen  Umständen  Rechnung  zu
tragen  suchte,  die  bei  dem  Vertrieb  der  Zeitungen  berücksichtigt
werden  müssen.  Dies  war  der  gemischte  Tarif.
            
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