DEUTSCHLAND — Mecklenburg-Schwerin (Finanzen).
185
lOOjahrigen Pfandbesitz von Schweden erlangt; Schweden soll sein
Pfand im Jahre 1903 nm ungefähr 28 — 30 Mill. Thlr. wieder ein
lösen können! — 1803 erhielt der Herzog auch für die verlorenen
Canonicato zu Strassburg und für seine Ansprüche auf die Insel Privai
durch Reichsdeputationsschluss 7 stiftlübeckische Dörfer und eine Rente
von 10,000 fl. aus den Rheinoctroierträgnissen (!) — Obwohl der
Herzog der erste deutsche Fürst war, der vom Rheinbunde abfiel,
nämlich schon am 25. März 1813, so erlangte er doch keine Gebiets-
vergrösserung, sondern nur den Titel als Grossherzog, 17. Juni 1815.
Das vom Bundestag umgestürzte Staatsgrundgesetz datirte vom
10. Oct. 1849.
Finanzen* In dom vom Minister aufgestellten Etat für das
(je an Johannis beginnende) Rechnungsjahr 18^%4 erschienen
die Ausgaben mit 3’430,028 Thlr.
- Einnahmen - 3’292,748 -
ein Deficit von 137,280 Thlr.
Von einem eigentlichen Systeme der Besteuerung findet sich keine
Spur. Die Lasten sind meistens local ganz verschieden, je nachdem
sie in entfernten Zeiten, in dieser oder jener Art eingeführt wurden.
Auch von einem Zollsysteme kann keine Rede sein. Ja es ist sogar
der Anschluss Mecklenburgs an ein auswärtiges Zollsystem, z. B. das
deutsche, durch die Privilegien der Ritterschaft beinahe unmöglich ge
macht. Von dem 1851 zu 339,133 Thlr. veranschlagten Ertrage der
Zölle kamen nicht weniger als 190,880 Thlr. auf die Wasser Zölle,
—- mit welcher Wirkung, werden wir unten zeigen. — Das gesammte
Domanialgruñdeigenthum berechnet man Übrigens zu 2’045,572
preuss. Morgen. *) — (Zu Dobberan wird eine Spielbank geduldet.) —
Wie in Weimar, stellen sich die Ausgaben für die Hofadministration
höher, als für die Civiladministration: letztere betragen noch nicht
i/g Mill. Thlr., die für das grossherzogliche Haus hingegen über eine
halbe Mill., mehr also, als die Civilliste des Königs von Sachsen«
(welche letzte indess seitdem auch erhöht wurde).
Schulden. Dieselben wurden 1851 auf 11’200,000 Thlr. berech
net, ohne die Garantie für die Eisenbahn mit 1’600,000. Die vom Hofe
herrührenden Schulden betrugen fast 5 Mill. Anfangs 1837 war der
Schuldenstand blos 7’400,000 Thlr. noch anfangs 1848 blos
9’7G7,513 Thlr. Cour., ungeachtet des Anlehens zum Schlossbaue.
Geschichtliche Notizen. Herzog Karl Leopold (f 1747) brachte
mit seinen russischen Hülfstruppen unsägliches Elend über das Land.
Die Rcichsprocesskosten betrugen über 300,000, die Executionskosten
gegen 1T00,000 Thlr. N%. Die wichtigsten Landestheile mussten
an Preussen’ und Kurbrandenburg verpfändet werden. 17«%8 löste
die Reluitionscommissiou die 1734 an Hannover verpfändeten 8 Do-
*) Um bei den kleineren deutschen Staaten nicht jedesmal die einzelnen
Hauptpositionen der Einnahmen und der Ausgaben wiederholen zu müssen, ver
weisen wir ein für alle Mal auf die Seite 133 und 134 abgedruckten tabellan-
gehen Zusammenstellungen.