Full text : Lebenserinnerungen

in  Jena  zugebracht,  um  sich  ganz  in  meine  gedankenwelt  und
zugleich  in  den  deutschen  Idealismus  zu  versetzen;  nach  seiner
Kückkehr  nach  Lhina  wird  er  fene  Qufgabe  zu  Lüde  führen.  Bei
diesen  tragen  scheidet  das  religiöse  Problem  völlig  aus,  in
Furage  sieht  der  grundgedanke  eines  aklivistifchen  Idealismus
überhaupt.
In  der  neuesten  Zeit  habe  ich  seitens  der  finnländischen  Universität ­
  Helsingfors  eine  sehr  herzliche  Linladung  empfangen,  dort
einige  Zeit  zu  verweilen  und  auch  einige  Borträge  zu  halten.  Ich
hoffe,  dieser  Linladung  zusammen  mit  meiner  Trau  im  nächsten
Trühling  Tolge  leisten  zu  können.  In  den  binnen  schätze  ich  aufrichtig ­
  ein  Volk,  das  unter  schweren  Lebensbedingungen  tapfer  und
treu  feine  Qufgabe  erfüllte,  das  mit  großer  Lnergie  alle  Kulturaufgaben ­
  der  gegenwart  sich  aneignete  und  darin  Bedeutendes
leistete;  dazu  mußte  mich  herzlich  erfreuen  die  enge  Beziehung  zum
deutschen  Geistesleben  und  zur  deutschen  Sprache,  welche  dort  vorhanden ­
  ist.
3m  Sommer  1920  war  ich  auch  beteiligt  an  den  Bestrebungen,
eine  größere  Llnzahl  von  schwedischen  Lehrern  und  Lehrerinnen  zu
wissenschaftlichen  Kursen  nach  Iena  zu  ziehen;  es  haben  sich  dazu
mehr  als  400Teilnehmer  eingefunden,  und  wir  haben  gegenseitig  den
besten  Lindruck  empfangen.  Ich  betrachte  es  als  eine  sehr  wichtige
Sache,  daß  eine  enge  geistige  Verbindung  Deutschlands  und  des
germanischen  Uordens  zustande  kommt.  Die  daraus  erwachsende
Stärkung  einer  Inhaltskultur  ist  für  das  ganze  des  Kulturlebens
unentbehrlich.
Das  Bedürfnis  nach  mehr  geistiger  Linheit  des  menschlichen
Lebens  und  die  Bestrebungen  nach  mehr  moralischer  Stärkung  des
deutschen  Lebens  haben  zur  Begründung  eines  Lucken-Bundes  geführt. ­
  Seine  erste  Iahresversammlung  fand  am  6.  Oktober  1920  in
Iena  statt  und  vereinigte  hier  zahlreiche  Teilnehmer  aus  den  verschiedensten ­
  gesellschaftskreisen  und  gegenden  Deutschlands;  sie  beschloß ­
  einmütig  eine  festere  Organisation  des  rasch  aufstrebenden
Bundes,  dessen  Richtlinien  in  meiner  Schrift  „Unsere  Forderung  an
das  Leben"  (ly2o)  enthalten  sind.
gegen  Lnde  meines  Lebens  kann  ich  nicht  umhin,  der  zahlreichen ­
  Treunde  und  Schüler  zu  gedenken,  welche  vor  mir  geschieden
sind.  Der  Lauf  meines  Lebens  hat  mich  über  die  gelehrten  Kreise
hinaus  mit  manchen  Üutoren  und  Künstlern  zusammengeführt,
und  ich  habe  die  mir  von  diesen  Kreisen  gewährte  Förderung  und
Freundschaft  als  einen  großen  gewinn  betrachtet.  So  verband
mich  eine  gegenseitige  Schätzung  mit  Hilty,  der  mir  noch  unmittelbar ­
  vor  seinem  Tode  seine  herzliche  gesinnung  bekundete;  so
hatte  ich  eine  dauernde  Freundschaft  mit  Lrnst  von  Mldenbruch,
            
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